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Abydos: Ritualrelikte für Osiris auf dem östlichen Vorfeld des Königsgrabes von Den

Abydos Goldschatz (© DAI Kairo)

Von den umfangreichen Opferhandlungen für den Totengott Osiris, die über mindestens zwei Jahrtausende hinweg im ältesten Königsfriedhof Ägyptens, in Umm el-Qaab/Abydos, anhand archäologischer Relikte nachvollziehbar sind, wurden östlich des Grabes von König Den (fünfter König der 1. Dyn., ca. 2950 v. Chr.) noch etliche Befunde in situ angetroffen. Dieser Bereich wurde in den Jahren 1998–2002 im Rahmen der Nachuntersuchungen des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo (DAI Kairo) unter der Gesamtleitung von Günter Dreyer ausgegraben und aufgearbeitet. Sie stellen allerdings nur einen begrenzten Ausschnitt der in den Jahren 1977 bis 2013 durch das DAI Kairo geborgenen Relikte des Osiris-Kultes in Umm el-Qaab dar, die ansonsten von meinen Kollegen Ute und Andreas Effland sowie Julia Budka im Rahmen des Forschungsclusters 4 des DAI bearbeitet werden.

Die Deponierungen können in zwei Gruppen geteilt werden. Zum einen handelt es sich um sorgfältig ausgelegtes Inventar aus dem Königsgrab von Djer (zweiter König der 1. Dyn., ca. 2980 v. Chr.), dessen Grabanlage spätestens ab dem Mittleren Reich (Beginn 2. Jt. v. Chr.) als Begräbnisstätte des Gottes Osiris angesehen und als Kultstätte für Mysterienfeiern verwendet wurde. Die ehemaligen Grabbeigaben dürften hierbei als sakrosankt angesehen und sekundär geopfert worden sein. Sie bestehen vorwiegend aus Keramikgefäßen mit zugehörigen, mittlerweile abgefallenen gesiegelten Nilschlamm-Verschlüssen und verschiedenen Kleinfunden, wie Pfeilspitzen und Anhängetäfelchen aus Knochen, aber auch Möbelfüßen aus Elfenbein oder Spielsteinen aus buntem Gestein, die behutsam auf der Fläche östlich des Grabes von Den arrangiert wurden.

Zum anderen wurden in der 25. Dynastie (Mitte 8. bis Mitte 7. Jh. v. Chr.) Prozessionswege angelegt, deren Randbegrenzungen aus eng aneinandergelegten Flaschen bestehen. In den folgenden Jahrhunderten wurden diese Bereiche großflächig mit kleinen Schälchen überdeckt (arab. Qaab, namensgebend für den Fundort Umm el-Qaab), die meist auf dem Kopf liegend deponiert wurden. Darüber hinaus wurden in der Mitte dieses Prozessionsweges, der vom sogenannten Südhügel (in einer Achse zum Tempel Sethos I. und südlich der Königsnekropole liegend) zum Grab des Djer führte, in einer Grube zwei Gefäße mit Bestattungsmaterialien gefunden. Diese Materialien setzen sich aus harzgetränkten Mumienbinden, drei intentionell zerbrochenen Gefäßen, ca. 6 kg Einlagen aus Lapislazuli und ca. 500 g Goldblechstreifen zusammen. Die Einlagen und das Gold bedeckten vermutlich ursprünglich einen Sarg, der entweder den Gott Osiris darstellte oder einer hochstehenden Persönlichkeit gehörte.

Die Tierknochen und Objekte aus Knochen und Elfenbein wurden von Angela von den Driesch und Joris Peters ((Institut für Paläoanatomie und Geschichte der Tiermedizin, München) untersucht.

Projektleitung: