Ein neuer Ansatz für Goldene Schätze

Innovative Analysen in der Archäometrie


Karte: M. Börner/OREA; Abbildung: W. P. Tolstikow, M. J. Trejster, Der Schatz aus Troja. Stuttgart – Zürich 1996, 1997, 182, Kat.-Nr. 239

Ausgangspunkt für diesen innovativen Ansatz sind die berühmten Schätze der frühbronzezeitlichen Siedlungen von Troia in Westanatolien, in denen sich eine große Anzahl an goldenen Objekten fand. Die Mehrheit dieser Funde kann mit den Phasen von Troia II und III verbunden werden, welche in die Frühbronzezeit 2–3 datieren. Bemerkenswert ist die enorme Anzahl an hochwertigen Goldobjekten wie Gefäße, Schmuck (Ohrringe, Halsketten, Armbänder, Nadeln, Anhänger und so genannte Lockenringe). Die Menge an Goldobjekten, vor allem Schmuck mit teilweise sehr filigranen Goldverzierungen, ist auffallend und es stellt sich die Frage nach den Personen, die diese kostbaren Gegenstände produziert und getragen haben. Interessanterweise ist die Praxis, Prestigeobjekte zu horten, in vorherigen Zeiten in Westanatolien nicht bekannt. Dieses Phänomen scheint im Zusammenhang mit der Herausbildung von hierarchischen Strukturen und dem Auftreten von protourbanen Zentren (z. B. Troia II, Liman Tepe V) in der entwickelten Frühbronzezeit 2 zu stehen. Der Einfluss dieser Zentren kann durch typologisch unmittelbar vergleichbare Schmuckstücke (Ohrringe, Anhänger und „Lockenringe“) angedeutet werden, die sich in einem Hortfund mit Goldobjekten der Phase giallo in der Siedlung Poliochni auf Lemnos finden. Diese Insel liegt vor der westanatolischen Küste, unweit von Troia entfernt. Für die Objekte wird eine Datierung in die Frühbronzezeit 3 angenommen.

Im Zusammenhang mit dem gehäuften Auftreten von Prestigeobjekten lohnt es sich, die Entwicklung „protourbaner“ Gesellschaften in Westanatolien zu betrachten, deren Wurzeln im Spätchalkolithikum (4. Jt. v. Chr.) und dem Beginn der Frühbronzezeit 1 (frühes 3. Jt. v. Chr.) liegen. Goldfunde, die in diese Perioden datieren, sind aus den Fundorten Ege Gübre, Bakla Tepe, Liman Tepe, Çukuriçi Höyük, Beşiktepe im westanatolischen Küstengebiet bekannt. Ein weiteres Objekt wird der Region Sardis zugeordnet. In Ege Gübre wurde ein goldenes, sogenanntes „Ringidol“ gefunden, das aufgrund von Radiokarbondaten in die erste Hälfte des 4. Jts. v. Chr. datiert und somit den frühesten Edelmetallfund in Westanatolien darstellt. Unter den wenigen Goldobjekten sind drei goldene „Ringidole“ auffällig. Im Allgemeinen ist die Form der Idole typisch für den Balkan und in dieser Region gut belegt. Aufgrund der „Ringidole“ wird eine Verbindung zwischen dem Balkan und Westanatolien von mehreren Wissenschaftlern angenommen. Goldfunde sind auch auf dem Balkan bekannt. So in Form von reichen Grabbeigaben in der Nekropole von Varna aus dem 5. Jt. v. Chr., wodurch eine differenzierte Struktur der Gesellschaft angedeutet wird. Um mögliche Verbindungen zwischen dem Balkan und Westanatolien aufzudecken, werden weiters Goldartefakte aus Dubene in Bulgarien untersucht. Neben den geplanten Analysen der goldenen Schatzfunde aus Troia im Museum in İstanbul und den Funden aus Poliochni im Athener Museum bieten die vielen Goldobjekte aus Dubene im Museum Sofia die besten Voraussetzungen.

Eine ungelöste Frage verlangt eine Antwort: Können die frühen Goldfunde in Westanatolien als Indikator für eine Herausbildung von hierarchischer Strukturen gesehen werden? Im Falle der Goldfunde ist die Herkunft des Goldes wichtig und bislang noch unbekannt. Die innovative archäometrische Methode mit einem leichten, transportablen Gerät, um zerstörungsfrei Goldanalysen für Herkunftsbestimmungen auf der Basis von Lasertechnologie durchzuführen, bietet die Möglichkeit unterschiedliche Objekte der Schatzfunde Troias sowie ausgewählte Funde von anderen Fundorten zu untersuchen. Diese Untersuchungen geben uns Informationen zum soziokulturellen Hintergrund der Goldfunde und ermöglichen die Aufdeckung regionaler und überregionaler Kontakte, welche wesentlich für das Verständnis soziokultureller Veränderungen sind. Nichtsdestotrotz kann das generelle Auftreten von reichen Goldfunden als Indikator für die Entstehung von sozialen Eliten gesehen werden, die zur Herausbildung komplexer Gesellschaften führten, wie sie im frühbronzezeitlichen Troia belegt sind.