Challenging Time(s) – A New Approach to Written Sources for Ancient Egyptian Chronology


 

Saqqarah, Pyramide Pepis II. mit Totentempel im Vordergrund (© R. Gundacker)

Die Chronologie des alten Ägypten dient als roter Faden für die Erforschung der Anfänge der Zivilisation. Sie ist also nicht nur das Grundgerüst für vier Jahrtausende ägyptischer Geschichte, sondern auch eine der Säulen für die frühe Geschichte des Nahen Ostens und des Ostmittelmeerraumes insgesamt. Die grundlegende Unterteilung der ägyptischen Geschichte in 31 Dynastien wurde von Manetho, einem ägyptischen Priester und Historiker (um 280 v. Chr.) eingeführt, der auf Griechisch für die Ptolemäerkönige schrieb. Obwohl dieses System vor mehr als 200 Jahren von den ersten Ägyptologen aufgegriffen wurde und bis heute in Gebrauch steht, wurde bisher keine grundlegende Bearbeitung der Königsliste Manethos unternommen. Die Gleichsetzung der griechischen Namensformen mit ihren hieroglyphischen Entsprechungen orientiert sich primär an oberflächlichen Ähnlichkeiten, ohne die sprachwissenschaftliche Realität ausreichend zu berücksichtigen.

Pfeiler aus dem Totentempel des Pepi II. (© R. Gundacker)

Es ist daher unerlässlich, auf der Grundlage einer detailorientierten Textkritik die Königsnamen sprachwissenschaftlich auszuwerten und den ersten ägyptologischen Kommentar zu Manethos Königsliste überhaupt zu schreiben. Manetho selbst gründete seine Königsliste auf ägyptische Quellen, deren Bedeutung und deren Beziehungen untereinander es zu erforschen gilt. Datierte Inschriften, biographische und prosopographische Daten sowie Genealogien und Beamtensequenzen müssen geprüft und um neues Material erweitert werden. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind nicht nur für die ägyptische Chronologie und das Verständnis der Quellen von Bedeutung, sondern auch für die chronologische Interpretation archäologischen Materials (materielle Kultur) und wissenschaftlicher Daten (C14-Daten, die auf der Grundlage der historischen Chronologie statistisch ausgewertet werden müssen, z.B. via ‚Bayesian modelling‘). Dieses Forschungsprojekt wird folglich die frühere Forschung zu den schriftlichen Quellen prüfen, den gegenwärtigen Wissensstand erweitern und neue Methoden zur Auswertung einführen, um neues Licht auf alte Quellen für die Chronologie der frühen Hochkulturen zu werfen.  

Rekonstruktion der Prunkscheintür des Schepsesptah von Saqqarah (© R. Gundacker)