Kleidi-Samikon – Landschaftsarchäologische Untersuchungen

Panorama der Küstenzone mit der Hügelgruppe von Kleidi, aufgenommen von der Festung von Samikon (Foto: M. Börner)

Seit den Grabungen von Wilhelm Dörpfeld 1908 ist die Stätte von Kleidi, die aus einer Hügelgruppe westlich und unterhalb der klassisch-hellenistischen Festung von Samikon beim modernen Ort Kato Samiko besteht, als bronzezeitlicher Siedlungsplatz an der Westküste der Peloponnes bekannt. Hier legte Dörpfeld v. a. Reste von kyklopischen Mauern und bronzezeitliche Siedlungsspuren frei, die allerdings nie umfassend veröffentlicht wurden. 1954 unternahm Nikolas Yalouris Ausgrabungen nördlich des größten Hügels und publizierte einen als Tumulus bekannt gewordenen Grabbau, der Beisetzungen vom Beginn bis ans Ende der mykenischen Epoche enthielt. Am Beginn der 1980er Jahre führte Eleni Papakonstantinou ausgedehnte Grabungen auf dem Plateau des größten Hügels und an seiner Ostseite durch, wo sie eine Nekropole der ausgehenden Mittelbronzezeit und der Spätbronzezeit feststellen konnte. Zuletzt legten 2007 Panagiotis Moutzouridis und Kostas Nikolentzos Grabungsschnitte auf dem südöstlichen Abschnitt des Hügelplateaus an, wo sie auch mittel- und spätbronzezeitliche Siedlungsspuren antrafen. [Für die Auswertung der bronzezeitlichen Keramik im regionalen Kontext, siehe Kakovatos und Triphylien im 2. Jahrtausend v. Chr.]

Kleidi und die Festung von Samikon von Süden (Foto: T. Willershäuser)
Die Hügelgruppe von Kleidi von Norden (Foto: T. Willershäuser)

2017 widmete sich ein Kooperationsprojekt zwischen der Ephorie für Altertümer der Region Elis unter der Leitung von Erofili Kolia und Birgitta Eder vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie (OREA) der systematischen Vermessung des Geländes der Hügelgruppe von Kleidi. Die geodätische Aufnahme hat zum Ziel, erstmalig einen Plan der Hügelgruppe mit seiner Morphologie und den vorhandenen Bauresten herzustellen. Dieser Plan soll eine wichtige Grundlage für das Verständnis des Charakters der bronzezeitlichen Siedlung wie auch für die Nutzung der Landschaft in historischer Zeit bilden. Mit Hilfe eines Laser Scanners konnte die gesamte Umgebung von Kleidi aufgenommen werden.

Geo-archäologische Bohrungen in der Ebene vor Kleidi (Foto: B. Eder)

In diesem Zusammenhang wurden auch geo-archäologische Untersuchungen durch ein Team der Universität Mainz unter der Leitung von Andreas Vött durchgeführt, die neue Erkenntnisse für das Verständnis der Paläoumwelt versprechen. Bislang sind die Fragen unbeantwortet, wo die Küstenlinie in der Bronzezeit und später genau verlief, wie nahe die Siedlung von Kleidi am Meer lag, und ob hier ein Hafen anzunehmen ist. Diese Fragen sind nicht nur für die Bronzezeit von Interesse, sondern auch für die nachfolgenden Perioden der Antike.

Seit dem Altertum war die Landschaft um Kleidi starken Veränderungen unterworfen, deren Erforschung dieses Projekt gilt. Die ersten Ergebnisse betreffen die Erkenntnis, dass bereits seit den Arbeiten von Dörpfeld 1908 deutliche Eingriffe in die archäologische Landschaft erfolgten. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Zuge des Kalksteinabbaus am Kaiafagebirge zahlreiche Kalkbrennöfen in der unmittelbaren Umgebung von Kleidi angelegt, wo auch die Steine antiker Umfassungsmauern systematisch zu Kalk gebrannt wurden.