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Der Niedergang des Alten, des Mittleren und des Neuen Reiches: eine vergleichende Studie zu den drei Zwischenzeiten

Die drei Zwischenzeiten stellen ohne Zweifel ein hilfreiches historiographisches Konstrukt bei der Gliederung der 3.000 Jahre andauernden Geschichte des alten Ägypten dar. Freilich vermitteln sie allzu sehr auch die Idee eines eindeutigen Bruchs mit dem jeweils vorausgehenden Alten, Mittleren und Neuen Reich. Mit der Unschärfe des Beginns der jeweiligen Zwischenzeit in der ägyptologischen Literatur korrespondiert der prozesshafte Charakter der Entwicklung zu den Zwischenzeiten am Ende der drei großen Reiche.

Definieren wird man die historische Phase der Zwischenzeit als Zeit der Aufsplitterung der Reichseinheit und der Bildung von Teilreichen. Der politischen und kulturellen Dezentralisierung entspricht ein weitgehendes Zurückdrängen der politischen Theologie der Königsideologie und damit zusammenhängend eine Abschaffung des Wezirats und ein Verfall sowie eine Regionalisierung der Bürokratie.

Auf die ‚dunklen Zeitperioden‘ der Zwischenzeiten ist durch neuere archäologische Grabungen (etwa Elephantine, Tell el-Dab’a/Qantir, Edfu, Mendes, Dra Abu el-Naga, Ehnasya el-Medina) sowie durch zahlreiche epigraphische und kulturhistorische Untersuchungen neues Licht gefallen. Gleichwohl sind die historischen Quellen im Vergleich mit der Fülle des Materials der drei Reiche bescheiden.

Der Erfahrungsraum kollektiver Krise wird im ägyptischen ‚Geschichtsbewusstsein‘ des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses auf eine gleichsam mythologische Ebene gehoben (dies gilt zumal für die Erste und Zweite Zwischenzeit), die im Erwartungshorizont einer „Wiederholung der Schöpfung“, d. h. einer Wiederherstellung der kosmischen Ordnung, für die jeweilige politische Theologie der Reichseinigung instrumentalisiert wird. Hier scheinen wir es mit dem Phänomen der ‚Lehre von den zwei Ewigkeiten‘ (Jan Assmann), Nehem, der zyklischen Ewigkeit, und Djet, der nicht-zyklischen Ewigkeit, zu tun zu haben. Dem ägyptischen kulturellen Gedächtnis dürfte wesensmäßig eine inhärente Dissimulation von historischem Wandel innewohnen.

Ein analytischer Vergleich der drei Zwischenzeiten wird nicht nur die neueren Grabungsergebnisse und die entsprechenden Untersuchungen zu den jeweiligen Perioden zu berücksichtigen haben, sondern er wird sich auch auf die relevanten naturwissenschaftlichen Studien zur Klimaforschung und historischen Geographie stützen müssen. Somit erscheinen folgende Schwerpunkte für die Durchführung der Arbeit relevant:

  • Klimaveränderungen (Erste und Dritte Zwischenzeit)
  • historische Prozesse, die zum Zusammenbruch der Reichseinheit führten
  • die Rolle des Militärs am Übergang und in den Zwischenzeiten
  • Wirtschaft mit besonderer Berücksichtigung der Tempelwirtschaft


Letztlich liegt die Intention dieser Arbeit – neben einem historisch-phänomenologischen Vergleich der drei Zwischenzeiten – auch in einer Darstellung der historisch-prozesshaften Dynamik im Gegensatz zu der mehr statisch konzipierten historiographischen Konstruktion der Zwischenzeiten.

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