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Edition der Tempelinschriften von Philae

Die Tempel von Philae (© H. Kockelmann)
H. Kockelmann bei epigraphischer Arbeit am 2. Pylon (© E. Winter)

Das Projekt der „Edition der Tempelinschriften von Philae“ soll zu einer Edition sämtlicher hieroglyphischer Inschriften aller Bauten auf der Insel Philae führen, und zwar mit Übersetzung und Kommentar.

Bei zwei Expeditionen haben Heinrich Schäfer, Hermann Junker und der Photograph Friedrich Koch in den Wintern 1908/09 und 1909/10 im Auftrage der Preussischen Akademie der Wissenschaften sämtliche Tempelreliefs von Philae auf großformatigen Glasnegativen festgehalten. Diese „Berliner Photos“ werden auch weiterhin die Grundlage der Edition bleiben, auch wenn die heutige Digitalphotographie für Detailfragen der Ikonographie wie der Inschriften immer mehr an Bedeutung gewinnt.

In der Zwischenkriegszeit konnten die Zeichnungen für den 1. Band der Philae-Publikation durch Dr. Otto Daum gezeichnet werden, aber die Zeichnungen wie auch das von Hermann Junker erstellte Manuskript wurden in Kairo kriegsbedingt enteignet. Beides wurde 1955 von der Ägyptischen Altertumsverwaltung der ÖAW  übergeben und so konnte dieser Band über den „grossen Pylon“ 1958 als Denkschriften-Sonderband der Akademie erscheinen.

Für die Erarbeitung des 2. Bandes der Edition hat H. Junker seit 1956 in steigendem Maße Erich Winter herangezogen, so dass dieser nach dem Tod von Hermann Junker (1962) die Arbeit weiterführen konnte. 1965 erschien dann das „Geburtshaus von Philae“ unter beider Namen, ebenfalls als Denkschriften-Sonderband der Akademie.

Schon bei der Arbeit am „Geburtshaus“ hatte sich gezeigt, wie hilfreich für die Bearbeitung der Texte der ständige Rückgriff auf die Tempelreliefs mit ihren Inschriften sein kann. Daher versuchte Erich Winter in den nächsten Jahrzehnten bei kürzeren Aufenthalten auf Philae, die Aufzeichnungen der hieroglyphischen Texte sämtlicher Tempelbauten auf Philae zu vervollständigen und bereits gezeichnete Inschriften vor dem Original zu verbessern.

Als 1974 die Rettungsaktion der „Nubischen Tempel“ durch die UNESCO auch die Insel Philae erreichte, sandte die ÖAW  Erich Winter auf lange Monate nach Philae, um dort noch vor der Demontage der Bauten, unterstützt durch die UNESCO-Aktion,  sämtliche relieftragende Säulen mit Hilfe von Latexanstrichen auf genaueste Weise zu dokumentieren.

Da Latex-Kopien aber im Laufe der Jahre austrocknen und brüchig werden, mussten von allen Latex-Kopien in den nächsten Jahren Zeichnungen (im Auftrag und auf Kosten der ÖAW) hergestellt werden. Erst danach konzentrierte sich die Arbeit am Philae-Projekt auf die Publikation des 3. Bandes der Philae-Edition, die „Zweite Ostkolonnade“, samt den dahinterliegenden Räumlichkeiten. Während dieser Zeit hat sich der damalige Univ.Ass. Holger Kockelmann seit 2005 in die Editionsvorbereitung eingearbeitet und mit ihm als Mitautor konnte soeben das Manuskript für „Philae III“ abgeschlossen werden. In jährlichen Arbeitskampagnen wurden fragliche Lesungen an Ort und Stelle geklärt, woran sich seit 2009 erfreulicherweise auch Frau Prof. emer. Dr. Shafia Bedier (Ain Shams-Universität-Kairo) beteiligt.

Schon bei „Philae III“ zeigte sich, dass die Editionstechnik in den letzten Jahrzehnten durch Einsatz von Computer, Digitalphotographie und elektronischem Zeichenbrett erhebliche neue Anforderungen stellt, aber auch bietet. Nicht zu vergessen die Forderung nach einem wesentlich erschöpfenderen Kommentar als dies vor zwei Generationen üblich war.

All dies, inklusive des Einsatzes eines Hochstativs, das Detailaufnahmen bis in 15 m Höhe computergesteuert von Boden aus ermöglicht, kommt auch in den bereits angelaufenen Arbeiten für den 4. Band des Philae-Publikation zum Einsatz, der dem 2. Pylon des Isistempels gewidmet sein wird.

Insgesamt liegen jetzt schon nahezu lückenlos die zeichnerischen Entwürfe für weitere 6 Bände vor, in denen sämtliche hieroglyphischen Inschriften und Darstellungen aller Tempelbauten von Philae, samt den Übersetzungen und Kommentaren publiziert werden sollen

Philae Phot. 1007 mit dem Originalrelief
Publikation des Reliefs aus Phot. 1007 in „Philae II“

Projektleitung:

Projektmitarbeit: