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OREA Rückblick

Mit einem Kick off am 21. Juni 2013 hat OREA als Forschungseinheit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften aktiv begonnen, das am 1.1.2013 gegründete Institut für Orientalische und Europäische Archäologie aufzubauen.
Die wissenschaftlich strukturelle Neuorganisation dreier ehemaliger Kommissionen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften startete mit einer internen Forschungsinventur im Juli 2013 und wurdet mit der Konzeption neuer Forschungsgruppen und dem Aufbau verschiedener Schwerpunkte umgesetzt.

Die Erforschung der Vergangenheit war schon bei der Gründung der Akademie im Jahr 1847 eines ihrer zentralen Anliegen. Demgemäß zählte die 1878 von der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse eingerichtete „Commission zur Förderung von praehistorischen Forschungen und Ausgrabungen auf österreichischem Gebiete“ zu den ältesten Forschungseinheiten der Akademie. Deutlich jünger waren die 1907 gebildete „Ägyptologische Kommission“ sowie die erst 1971 gegründete „Kommission für mykenische Forschung“.

Prähistorische Kommission

Nachdem in der Akademie schon bald nach ihrer Gründung Untersuchungen über die Urgeschichte Österreichs in Arbeit waren, wurde auf Antrag des Geologen und Prähistorikers Ferdinand von Hochstetter (1829–1884) am 4. April 1878 die „Commission zur Förderung von praehistorischen Forschungen und Ausgrabungen auf österreichischem Gebiete“ eingesetzt. Anfangs ausschließlich der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse zugehörig, wurde sie 1886 durch Mitglieder der philosophisch-historischen Klasse ergänzt und dadurch zu einer Kommission der Gesamtakademie. 1939 erfolgte die Umbenennung in „Prähistorische Kommission“. Zwischen 1969 und 1976 hat man die Agenden der „Kommission für Burgenforschung“ an die Prähistorische Kommission übertragen, und im Jahr 1968 wurde die „Subkommission für Quartärforschung“ eingesetzt, die man 1972 in eine selbständige Kommission umwandelte. Die Forschungen umfaßten alle Perioden vom Paläolithikum bis zum Frühmittelalter. Ihre Mitarbeiter, zu denen u. a. auch Josef Szombathy (1853–1943), Felix von Luschan (1854–1924), Herbert Mitscha-Märheim (1900–1976) und Richard Pittioni (1906–1985) zählten, führten nicht nur Arbeiten zu anthropologischen und paläontologischen Fragestellungen durch, sondern veranstalteten auch zahlreiche Ausgrabungen (u. a. Kelchalpe bei Kitzbühel, Krems-Wachtberg, Nußdorf ob der Traisen, Oberleiserberg, Thunau am Kamp). Bedingt durch die Vereinigung mit der „Keltischen Kommission“ im Jahr 1998 wurden auch Forschungen im Bereich der Keltologie durchgeführt.

Obmänner:

  • Ferdinand von Hochstetter (1878–1884)
  • Franz von Hauer (1885–1899)
  • Franz Steindachner (1903–1918)
  • Rudolf Much (1919–1936)
  • Oswald Menghin (1937–1944)
  • Josef Weninger (1945–1957)
  • Richard Pittioni (1957–1985)
  • Hermann Vetters (1986)
  • Herwig Friesinger (1987–2012)


Kommission für Ägypten und Levante

Auch die am 4. Dezember 1907 von der philosophisch-historischen Klasse eingesetzte „Ägyptologische Kommission“ (ab 1910: „Ägyptische Kommission“, 2003 umbenannt in „Kommission für Ägypten und Levante“) widmete sich schon in ihren Anfangsjahren bedeutenden Ausgrabungsprojekten: In ihrem Auftrag führte Hermann Junker (1877–1962) von 1912 bis 1914 und 1925 bis 1929 Forschungen bei den Pyramiden von Giza durch. Durch die Arbeiten Karl Wesselys (1860–1931) über griechische und koptische Texte wurde auch der jüngeren Geschichte Ägyptens Aufmerksamkeit zuteil, während ebenfalls von Junker in Zusammenarbeit mit Oswald Menghin (1888–1973) geleitete Grabungen von 1929 bis 1939 in Merimde im Westdelta des Nils der Erforschung einer neolithischen Siedlung galten. In den Jahren 1961 bis 1965 beteiligte sich die Kommission unter der Leitung Karl Kromers (1924–2003) und Manfred Bietaks an der UNESCO-Aktion zur Rettung der nubischen Altertümer vor der Überschwemmung des Nils infolge der Errichtung des Staudammes bei Assuan. Mit 1966 begannen die Ausgrabungen in Tell el-Dabca, die anfangs gemeinsam mit dem Institut für Ägyptologie der Universität Wien und ab 1975 auch in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI) durchgeführt wurden. Von 1999 bis 2011 widmete sich der Spezialforschungsbereich SCIEM 2000 (The Synchronisation of Civilisations in the Eastern Mediterranean in the 2nd Millennium) Problemen der relativen und absoluten Chronologie im östlichen Mittelmeerraum. Somit umfaßte der Forschungsbereich der Kommission nicht nur das Fach Ägyptologie, sondern auch Bereiche der syrisch-palästinensischen Archäologie sowie der Nubien- und Sudanarchäologie.

Obmänner:

  • Eugen von Böhm-Bawerk (1907–1914)
  • Friedrich von Kenner (1914–1922)
  • Hermann Junker (1923–1962)
  • Richard Meister (1962–1964)
  • Fritz Schachermeyr (1964–1987)
  • Manfred Bietak (1989–2012)


Mykenische Kommission

Die „Kommission für mykenische Forschung“ wurde am 31. März 1971 von der philosophisch-historischen Klasse eingerichtet und am 11. Dezember 1974 mit der „Kleinasiatischen Kommission“ zur „Kommission für kleinasiatische Epigraphik und ägäische Altertumsforschung, Abteilung für mykenische Forschung“ vereint. Am 13. April 1988 wurde sie verselbständigt und in „Mykenische Kommission“ umbenannt. Sie widmete sich der Erforschung der prähistorischen Kulturen Griechenlands vom Neolithikum bis in die frühe Eisenzeit. In Kooperation mit dem ÖAI führten Fritz Schachermeyr (1895–1987), Sigrid Deger-Jalkotzy und Eva Alram-Stern Forschungen in Aigeira /Achaia durch, die teils im Rahmen des SCIEM 2000 publiziert wurden. Besonderes Augenmerk lag auf der von Schachermeyr begründeten Publikationsreihe „Ägäische Frühzeit“: es handelt sich um Fund- und Forschungsberichte, die Überblicke über Neufunde und die damit verbundene Erkenntnisse zu einzelnen Perioden der griechischen und ägäischen Ur- und Frühgeschichte bieten. Darüberhinaus wurden auch Publikationen zu Fragestellungen der Linear B-Forschung und zur Forschungsgeschichte verfaßt. Ferner verwaltete die Kommission die sog. „Sammlung Schachermeyr“, ein Konvolut von etwa 2000 Keramikfragmenten, die der Forscher testamentarisch in die Verantwortung der Mykenischen Kommission übergab.

Obleute:

  • Fritz Schachermeyr (1971–1987)
  • Sigrid Deger-Jalkotzy (1988–2010)
  • Hermann Hunger (2011–2012)


Literatur

R. Meister, Geschichte der Akademie der Wissenschaften in Wien 1847–1947 (Denkschriften der Gesamtakademie 1), Wien 1947.

O. Hittmair – H. Hunger (Hrsg.), Akademie der Wissenschaften. Entwicklung einer österreichischen Forschungsinstitution (Denkschriften der Gesamtakademie 15), Wien 1997.

Almanach der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1878–2013.

Tätigkeitsberichte der ÖAW, Wien 1978/79–2012.

Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (bisher 13 Bände, A bis Te), Wien 1957–2013.

Biographie-Portal: www.biographie-portal.eu

Dem Archivar der Akademie, Stefan Sienell, danke ich herzlich für seine Hilfe.
Michaela Zavadil

Funde aus den Tumuli von Gemeinlebarn (Niederösterreich) (1885) (nach J. Szombathy, Die Tumuli von Gemeinlebarn, MPrähistKomWien I, 2, 1890, Taf. III)
Die Grabungen in Giza (1927). © Archiv der ÖAW
Die Akropolis von Aigeira (Achaia). © Eva Alram