Mittwoch, 11. Oktober 2017, 17:30

Die Skarabäen von Tell el-Dab‘a im Lichte einer Neuuntersuchung der beschrifteten Skarabäen

Alexander Ilin-Tomich (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)

Die Skarabäen sind ein der herkömmlichsten Objekttypen in den archäologischen Kontexten des Mittleren Reiches und der 2. Zwischenzeit sowie in Museumssammlungen. Die Ausgrabungsobjekte erwecken in jüngster Zeit erheblich mehr Interesse als die meistens aus dem Handel stammenden Museumsstücke. Dennoch kann die Untersuchung der beschrifteten Skarabäen in Museen zur Auswertung von archäologischen Befunden beitragen. Im Rahmen des Projektes zur geographischen und chronologischen Verteilung von Skarabäen des Mittleren Reiches und der 2. Zwischenzeit wurden in neun Museen 1200 Skarabäen mit privaten und königlichen Namen bearbeitet, wobei neue Kriterien zur Präzisierung der Datierung und Ermittlung der Herkunft vorgeschlagen wurden. Umstritten dadurch wird die Meinung, dass die Skarabäen fast ausschließlich an der königlichen Residenz hergestellt wurden.

Die neuen Beobachtungen lassen sich auch auf das bedeutendste Corpus der Skarabäen aus wissenschaftlich kontrollierten Ausgrabungen – das von Tell el-Dab‘a – anwenden. Anders als allgemein angenommen lassen sich im Corpus der Beamtenskarabäen des Mittleren Reiches Parallelen (in Bezug auf die Seiten-, Kopf- und Rückentypen) zu den von C. Mlinar definierten Skarabäentypen II und III von Tell el-Dab‘a finden. Solche ägyptischen Siegel sollen als Vorbilder für die Handwerker von Tell el-Dab‘a gedient haben. Bemerkenswert ist nicht nur, dass vergleichbare Stücke wie oft bemerkt in anderen archäologischen Fundorten fehlen, aber auch dass ein anderer herkömmlicher Typ, zu dem zahlreiche Siegel von Königen und Beamten der 14.–15. Dynastien sowie eine Menge von Motivskarabäen aus Tell el-Yahudiya gehören, in Tell el-Dab‘a sehr selten (auch unter Motivskarabäen) vorkommt. Das kann darauf hinweisen, dass Tell el-Dab‘a nur ein von mehreren Zentren der Skarabäenproduktion während der 2. Zwischenzeit war.