Feuersteine auf hoher See

Eine von Michael Brandl entwickelte Methode zur Herkunftsbestimmung löst das Rätsel von Feuersteinen, die als Schiffsballast verwendet wurden.

Obwohl Skandinavischer Feuerstein einer der bedeutendsten Rohstoffe für prähistorische Steingeräteherstellung in Nord- und Zentraleuropa darstellt, konnte bislang keine effektive Methode für eine zuverlässige Differenzierung von nordeuropäischen Feuersteinlagerstätten erzielt werden. Skandinavischer Flint kommt primär in Kreideformationen in Norddeutschland, Dänemark, Schweden und Großbritannien vor. Das Hauptproblem für Herkunftsbestimmungen besteht in der großen Ähnlichkeit von SiO2 Rohmaterialien wie Horn- und Feuerstein sowohl im makroskopischen Erscheinungsbild als auch im Einschlussbild der Mikrofossilien. Dies ist auf ähnliche Bildungsbedingungen und eine größere Varianz innerhalb bestimmter Lagerstätten als zwischen räumlich getrennten Vorkommen zurückzuführen. Deshalb blieben vorhergehende Studien oft hinter den erhofften Erwartungen zurück.

Die Autoren des in PLOS ONE erschienenen Artikels „A multi-technique analytical approach to sourcing Scandinavian flint: Provenance of ballast flint from the shipwreck Leirvigen 1, Norway” konnten anhand des innovativen, von Michael Brandl an der ÖAW entwickelten „Multi Layered Chert Sourcing Approach (MLA)“ zeigen, dass eine klare Differenzierung primärer skandinavischer Feuersteinlagerstätten möglich ist. Der MLA kombiniert makroskopische, mikroskopische und geochemische Analyseverfahren, wobei Laser Ablation Inductively Coupled Plasma Mass Spectrometry (LA-ICP-MS) für Spurenelementanalysen zum Einsatz kam. Die geochemischen Daten wurden zusätzlich mittels CODA (Compositional Data Analysis) ausgewertet. Als archäologische Fallstudie wurde Flint, der als Schiffsballast an Bord eines vor der Küste von Norwegen gesunkenen Schiffes geborgen wurde, analysiert. Dieses Material ist für Herkunftsbestimmungen besonders geeignet, da es sich um einen geschlossenen archäologischen Befund handelt. Die Studie konnte zeigen, dass der „Ballastflint“ von einem Küstenstreifen in Nordjütland stammt, der sogenannten Vigsø Bucht. Das gesunkene Schiff stand diesen Ergebnissen zufolge vermutlich im Zusammenhang mit dem Holzhandel zwischen Dänemark und Norwegen zwischen dem späten 15. und frühen 16. Jahrhundert n. Chr.