Prehistoric Identities


Grab eines 12–14-jährigen Mädchens, Verfärbung 334 aus Franzhausen I (© Bundesdenkmalamt Wien)

Grundlagen prähistorischer Identitäten – Bausteine dessen, wie Menschen sich selbst und andere sahen – umfassen unter anderem Alter und Geschlecht, Abstammung und soziale Beziehungen, Ethnizität sowie Status und Religion. Viele dieser Aspekte sind untrennbar mit der Erfahrung im menschlichen Körper verbunden, durch den die Welt erlebt wird, und der die biologische Grundlage des Daseins ist.

Materielle Kultur ist direkt in die Schaffung und Erhaltung von Identitäten eingebunden; zudem dient sie der Kategorisierung von Menschen. Die Erfassung und Interpretation von Artefakten, deren räumlicher Verteilung und chronologischer Entwicklung ist eine der Kernkompetenzen der Archäologie.

Zunehmend rückt die Analyse menschlicher Knochen und Zähne mit neuesten wissenschaftlichen Methoden individuelle Lebensgeschichten prähistorischer Menschen in den Vordergrund. Detaillierte anthropologische Analysen lassen Stressevents und Traumata in Biographien einordnen und bilden die Basis einer Ernährungs- und Gesundheitsrekonstruktion. Untersuchungen des menschlichen Erbgutes lassen Verwandtschaftsmuster, Abstammungen und genetische Herkunft rekonstruieren. Isotopenanalysen bieten wertvolle Informationen über Ernährung, Mobilität und Migration.

Bioarchäologische Daten bilden die Basis der dritten Wissenschaftsrevolution in der Archäologie, die in Kombination mit bewährten archäologischen Methoden die Forschung zu prähistorischen Identitäten gerade revolutioniert. Die zeitliche und kulturelle Tiefe sowie den archäologischen Kontext gilt es in Zukunft wieder stärker zu betonen.

Ziele


Ziel der Forschungsgruppe ist, das Verständnis für bioarchäologische Methoden und deren vielfältige und komplexe wissenschaftlichen Ergebnisse zu vertiefen sowie einen neuen, diskursiven Weg in der Identitätenforschung einzuschlagen, der kulturelle und kontextuelle Informationen gleichwertig mit bioarchäologischen Daten diskutiert.

Die entwickelte Expertise soll genutzt werden, um zu öffentlichen und politischen Debatten zu Geschlechterverhältnissen, Herkunft und Migration beizutragen.

Eine detaillierte Untersuchung aller Aspekte der Identität, wie sie sich im Laufe der Zeit einwickelt haben, sich überschneiden und gegenseitig beeinflussen, lässt uns mehr denn je die Erfahrung des Menschseins in der Urgeschichte verstehen und dabei gleichzeitig die archäologische Hinterlassenschaft in einem neuen Licht erklären.

Die Forschungsgruppe Prähistorische Identitäten basiert auf Katharina Rebay-Salisburys ERC Starting Grant Projekt „The value of mothers to society“, das untersucht, wie sich weibliche Identität durch Mutterschaft verändert. In diesem sowie weiteren, thematisch zugeordneten Drittmittelprojekten werden Themenbereiche wie biologisches/soziales Geschlecht, Verwandtschaft, Ehemuster und genetisches Erbe behandelt. Mobilität und Migration sowie die Erfahrung des Fremdseins stellen einen weiteren Forschungsschwerpunkt dar.

Vernetzung


Die Forschungsgruppe bietet einen Diskussionsrahmen für OREA-Forscher, die grundsätzlich daran interessiert sind, sowohl biologische als auch kulturelle Indikatoren zur Erfassung von individuellen und Gruppenidentitäten gleichwertig zu nutzen. Mit dem Thema Prähistorische Identitäten sind OREA ForscherInnen aller chronologischen und geographischen Räume konfrontiert. Ein Schwerpunkt der Forschungsgruppe ist die gemeinsame Entwicklung neuer Projekte. Zudem strebt die Forschungsgruppe an, bestehende Kooperationen mit nationalen Institutionen, wie dem Naturhistorischen Museum Wien, der Gerichtsmedizin in Wien und Innsbruck, der Universität Wien sowie der Universität für Bodenkultur, zu intensivieren, etwa durch gemeinsame Veranstaltungen, wie Praktika und Vorträge.

Zu den internationalen Kooperationspartnern zählen Julie Dunne (University of Bristol), Ben Roberts, Claudio Cavazutti (Durham University), Tamsin O’Connell (University of Cambridge), Jo Appleby, Colin Haselgrove (University of Leicester), Viktória Kiss (HAS Institute of Archaeology, Budapest) und Sofija Stefanović (University of Belgrade).

Projekte