DIE AUSGRABUNGEN IN DER P.O.T.A. ROMANOU / NAVARINO-DUNES HOTELKOMPLEX BEI ROMANOS IN DER PYLIA/MESSENIEN, GRIECHENLAND


Brunnen im Quadrat Theta 23
Geöffnete Flächen im Bereich der Golfbahnen 15 und 16

Im Rahmen des Programms P.O.T.A. Romanou (P.O.T.A. = Περιοχή Ολοκληρωμένης Τουριστικής Ανάπτυξης, d. h. Bereich touristischer Entwicklung) zur Errichtung des Hotelkomplexes Costa Navarino – Navarino Dunes nahe an der Küste des Ionischen Meeres nordwestlich des Dorfes Romanos leitete der Verfasser ab Februar 2007 die ausgedehnten und bis Ende 2011 fortgesetzten Rettungsgrabungen im Bereich der riesigen Golfresort-Hotelanlage, die jetzt unter dem Namen Navarino-Dunes firmiert. Die Grabungen fanden unter der Aufsicht der 38. Ephorie für Prähistorische und Klassische Altertümer Messeniens des griechischen Kulturministeriums statt, wobei der Bauträger alle anfallenden Kosten zu tragen hatte. Archäologische Überreste fanden sich im Wesentlichen südlich des Flusses Selas nahe an der Süd- und Ostgrenze des Geländes. Dort wurden nicht nur ein bislang völlig unbekanntes früharchaisches griechisches Heiligtum mit früharchaischem Tempel, ein großes hellenistisches Farmhaus, ein frühmykenisches Tholos-Grab und Gräber sowie Siedlungsreste der Protogeometrischen bis Geometrischen Zeit entdeckt, sondern vor allem auch Teile der größten bislang in Messenien bekannt gewordenen Frühhelladisch II-Siedlung (Mindestausdehnung 40.000 m²) aufgedeckt. Die Besiedelung setzte offensichtlich bereits in FH I oder im Übergangshorizont von FH I–II ein, wie Grubenbefunde mit Talioti-Ware belegen. Generell scheint die FH II-Siedlung sehr gut organisiert gewesen zu sein. Alle Bauten, rechteckig und weiträumig, hatten die gleiche Orientierung SSW-NNO, Straßen liefen im rechten Winkel aufeinander zu.

Als wichtigste von uns dort festgestellte Befunde sind folgende anzuführen:

  1. Ein dicht bebauter Siedlungsteil mit mehreren, sich stratigraphisch überlagernden Häusern zu beiden Seiten zweier sich im rechten Winkel kreuzender Straßen. Nirgendwo in Messenien ließ sich bislang eine so mächtige und reich mit Keramikresten bestückte Schichten- und Bauphasensequenz der Stufe Frühhelladisch II beobachten.
  2. In der äußersten SO-Ecke der Navarino-Dunes-Liegenschaft war im Areal von FH II Häusern ein großer Vorratsraum aufgedeckt worden, der mehrere verstürzte Vorratsgefäße (Pithoi) enthielt. Durch eine Brandkatastrophe wurde der Inhalt einiger Pithoi in Form von karbonisierten Traubenkernen oder Feigen konserviert.
  3. Eine Werkstätte zum Schmelzen und zur Verarbeitung von Kupfer/Bronze sowie Obsidian.
  4. Eine große ovale Grube mit einer Ausdehnung von ca. 10 × 15 m östlich einer Hangstützmauer mit vorgesetzter Rampe.  Diese Grube war bis oben zum Rand hin mit Tausenden von kleinen Steinen und unglaublichen Mengen an FH II-Scherben bzw. komplett erhaltenen FH II-Gefäßen gefüllt, die manchmal eine vertikale Perforation im Zentrum ihrer Basis aufwiesen. Unerwartet und erstaunlich war der Fund von Dutzenden von Rinder/Stier-Hörnern in dieser Grube, die wohl in einem kultischen Zusammenhang zu sehen ist.
  5. Ein in der Frühhelladisch II-Zeit zugeschütteter Brunnen mit gemauerter Einfassung wurde westlich der Werkstatt zur Kupfer- und Obsidianverarbeitung im Quadrat Θ23 untersucht. Die südliche Hälfte der mächtigen Brunneneinfassung und Schachtverschalung war in den Schacht gestürzt. Der damit unbrauchbar gewordene Brunnen wurde noch während der FH II-Zeit bis über seinen Rand hinaus mit Massen von FH II-Keramikresten, darunter vielen komplett zusammensetzbaren oder z. T. sogar völlig intakten Tongefäßen von feiner Tafelware und gröberem Geschirr, zugeschüttet. Generell ist zu betonen, dass das im Brunnenschacht geborgene, äußerst umfangreiche Fundensemble an vollständig erhaltenen oder komplett zusammensetzbaren Tongefäßen der Stufe FH II für Messenien einzigartig ist. Es ist zu vermuten, dass allein aus der Bearbeitung und Restaurierung dieses Fundgutes aus dem Brunnen zumindest 200 komplette oder weitgehend komplett zusammengesetzte Tongefäße hervorgehen werden. Eine vergleichbare Zahl vollständig erhaltener bis weitgehend kompletter Tongefäße der Stufe FH II findet sich auf der Peloponnes unter veröffentlichten Funden allein in der FH II-Siedlung von Lerna III in der Argolis. Dieses bedeutende Keramikensemble aus dem Brunnen soll hier im Zuge des vom FWF bewilligten Projektes wissenschaftlich bearbeitet und publiziert werden.

Es scheint, dass die Siedlung von Romanos in der FH II-Zeit der zentrale Ort der weiteren Umgebung war und über den Bezug und die Verarbeitung von großen Obsidianmengen sicher mit den Kykladen in Verbindung stand. Auch im Hinblick auf die beobachtete Verarbeitung und das Schmelzen von Kupfer oder Bronze in der dazu errichteten Werkstätte scheint sich eine Verbindung zu den Kykladen anzudeuten. 

Publikationen

Publikationen

  • J. Rambach, Σωστικές ανασκαφές στην Π.Ο.Τ.Α. Ρωμανού 2007–2011 (22.10.2012).
  • J. Rambach, Σωστικές ανασκαφές στην Π.Ο.Τ.Α. Ρωμανού 2007–2011 (Μέρος Γ).
  • J. Rambach, Οι σωστικές ανασκαφές στην θέση Π.Ο.Τ.Α. Ρωμανού – Costa Navarino-Navarino Dunes 2007–2010. Ρωμανός Πυλίας, Νέα στοιχεία κατοίκησης από την Πρωτοελλαδική έως την Ελληνιστική Εποχή, Όριον, Vol. 27, Februar 2011, 36‒43.
  • J. Rambach, Οι σωστικές ανασκαφές στην θέση Π.Ο.Τ.Α. Ρωμανού-Costa Navarino-Navarino Dunes 2007–2010. Ρωμανός Πυλίας, Νέα στοιχεία κατοίκησης από την Πρωτοελλαδική έως την Ελληνιστική Εποχή, Πρακτικά του Δ΄Τοπικού Συνεδρίου Μεσσηνιακών Σπουδών, Καλαμάτα 8th–11th October 2010, Athen 2014.
  • J. Rambach, Die Ausgrabungen in der P.O.T.A. Romanou/Navarino-Dune Hotelkomplex bei Romanos in der Pylia/Messenien, Festschrift G. S. Korres, Athen, im Druck.
  • J. Rambach, Early Helladic Romanos/Messenia: Filling a well. In: E. Alram-Stern, F. Blakolmer, S. Deger-Jalkotzy, R. Laffineur, J. Weilhartner (Hrsg.), Metaphysis: Ritual, Myth and Symbolism, Proceedings of the 15th International Aegean Conference, Institute for Oriental and European Archaeology, Austrian Academy of Sciences and Institute of Classical Archaeology, University of Vienna, 22–25 April 2014. Aegaeum 39, Leuven – Liège 2016, 567–570.
  • J. Rambach, Romanos-Navarino Dunes in the Pylia: the Early Helladic settlement and the case of the Early Helladic II well, in: E. Alram-Stern – B. Horejs (eds.), Pottery Technologies and Sociocultural Connections Between the Aegean and Anatolia During the 3rd Millennium BC, OREA 10, Wien 2018, 215–248.
  • G. Kordatzaki, E. Kiriatzi, J. Rambach, Ceramic traditions in Southwestern Peloponnese during the Early Helladic II period: the Romanos Pylias case study, in: E. Alram-Stern – B. Horejs (eds.), Pottery Technologies and Sociocultural Connections Between the Aegean and Anatolia During the 3rd Millennium BC, OREA 10, Wien 2018, 249–266.