Kalba – ein „Suk“ am Golf von Oman

Silex- und Kupferrohstoffe einer prähistorischen Siedlung


Kalba – Ein Handelsstützpunkt an der Golfküste

Vor etwa 5000 Jahren können erstmals weitreichende Handelsnetzwerke nachgewiesen werden, die vom Indusgebiet bis in den ostmediterranen Raum reichen. In diesem Zeitalter, der Frühbronzezeit, entstanden eine Vielzahl von proto-urbanen Siedlungen und Handelsstützpunkten an wichtigen geographischen Schnittstellen innerhalb dieses Netzwerkes.

Im Rahmen des durchgeführten und erfolgreich abgeschlossen Projektes Across Arabia wurde gezeigt, dass es sich bei dem Küstenfundort Kalba am Golf von Oman um einen wichtigen Knotenpunkt des Handelsnetzwerkes im 3. Jahrtausend v. Chr. handelt. Dies belegen Importe von Keramikgefäßen aus Mesopotamien, dem Iran und dem Indusgebiet. Die Position der Siedlung in der Golfregion bot optimale Bedingungen für einen Austausch von Wissen und Gütern sowohl zwischen West und Ost, als auch zwischen Nord und Süd. Neben der günstigen geographischen Lage wirft aber auch eine diachrone Besiedlung – zwar mit Unterbrechungen – von der Frühbronzezeit bis zur Eisenzeit (etwa 2500 bis 600 v. Chr.) die Frage auf, ob es möglicherweise noch andere Gründe für eine solche Kontinuität gibt. In diesem Zusammenhang sind Silex- (links) und Kupferfunde (rechts) aus den Ausgrabungen von Kalba von Bedeutung. Da beide Materialien in unmittelbarer Nähe der Siedlung jedoch nicht vorkommen, stellt sich die Frage, woher die Artefakte oder Rohmaterialien stammen und wie sie nach Kalba gelangten?

Regionaler bis überregionaler Rohstoffbezug? Das Potential von Silex- und Kupferanalysen

Die Geologie der nordöstlichen Arabischen Halbinsel in der Umgebung von Kalba ist durch den Semail-Ophiolith-Komplex geprägt, welcher durch eine Ozean-Kontinent-Kollision in der späten Kreide entstand. Das dadurch geformte Hadschar-Gebirge erstreckt sich vom Oman im Süden mit seinen nördlichen Ausläufern in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zwar ist bekannt, dass sich Kupferlagerstätten im Hadschar-Gebirge befinden, jedoch ist der Forschungstand hierzu sehr übersichtlich. Ein Glücksfall war die Entdeckung und die Untersuchung der Kupferlagerstätten mit einem Kupferverhüttungsplatz (HLO1) im Wadi al-Hilo (Emirat Schardscha), etwa 15 km Luftlinie südwestlich von Kalba. Die archäologischen Forschungen am Fundplatz ergaben, dass die Lagerstätten im Wadi al-Hilo bereits seit der Frühbronzezeit bekannt waren und Kupfer vor Ort verhüttet wurde. Insbesondere für Kalba ist dieser Fundort von besonderer Bedeutung, da die Möglichkeit besteht, dass das gewonnene Kupfer aus dem Hadschar-Gebirge über den Küstenfundort weiterverhandelt wurde. Somit könnte dies einen Beweggrund darstellen, warum die Siedlung Kalba in dieser Region im 3. Jahrtausend v. Chr. gegründet wurde. Um diese Vermutung zu klären, sind Bleiisotopieanalysen des Kupfererzes sowie ausgewählter Kupferfunde der Küstensiedlung notwendig.

Im Gegensatz zu Kupfer- sind Silexlagerstätten nicht aus dem näheren und weiteren Umfeld von Kalba bekannt. Auch sind Forschungen zu den verwendeten silikatischen Rohmaterialquellen in prähistorischer Zeit im Norden der Vereinigten Arabischen Emirate bislang ein Desiderat. Untersuchungen zu potentiellen Lagerstätten archäologischer Artefakte wurden lediglich im Rahmen der Ausgrabungen in Jebel al-Buhais und Jebel al-Faya im nordöstlichen Ausläufer der Rub al-Chali-Wüste durchgeführt. Die Begehungen ergaben, dass es Vorkommen im westlichen Bereich des auslaufenden Hadschar-Gebirges gibt, welche sich in etwa 50 km Entfernung (Luftlinie) von Kalba jenseits des Gebirges finden. Eingehendere geologische und geochemische Analysen zur Klassifizierung der Lagerstätten sind jedoch noch ausstehend. Daher ist eine systematische Beprobung und Analyse der Lagerstätten sowie des Fundmaterials von Kalba zwingend notwendig, um Aussagen zur Provenienz und somit einem möglichen Rohmaterialbezug über das Hadschar-Gebirge treffen zu können. Für dieses Vorhaben wird in Zusammenarbeit mit dem OREA Raw Material Lab die Methode des „Multi Layered Chert Sourcing Approach“ (MLA) angewendet, wodurch eine Zuordnung der Artefakte zu den Lagerstätten ermöglicht wird.

Ziel der Analysenreihen an Artefakten aus Kalba und Rohmaterialquellen

Das Ziel der weiterführenden Untersuchungen am Küstenfundort Kalba ist die Erforschung des lithischen Rohmaterialbezugs und seiner Nutzung. Insbesondere in der prähistorischen Zeit sind Kupfer und Silex wichtige Ausgangsmaterialien zur Herstellung von Geräten und Schmuck, wodurch das Material mitunter über weite Strecken verhandelt wurde. Somit könnten die unweit entfernten Kupferlagerstätten ein ausschlaggebender Grund gewesen sein, die Siedlung Kalba als Handelsstützpunkt an der Küste des Golfs von Oman zu gründen. Spannend ist ebenso die Präsenz von Silexartefakten. Sollte das Rohmaterial aus den Lagerstätten der Rub al-Chali-Wüste stammen, so wäre die Siedlung Kalba als Schnittstelle zwischen maritimen Handelsnetzwerken und Karawanenrouten zu verstehen. Hierdurch würde sich ein weitaus größerer Interaktionsradius als derzeit vermutet bis in die Wüstenregion in prähistorischer Zeit belegen lassen. Die Ergebnisse der Materialanalysen bieten somit das große Potenzial, den Stellenwert und die Nutzung der geologischen Ressourcen einer prähistorischen Siedlung erforschen und bewerten zu können.

Vorträge

Vorträge

  • Ch. Schwall, Kalba – Ein frühbronzezeitlicher Handelsstützpunkt am Golf von Oman? Ergebnisse der Feldforschungen 2020, OREA e-Vortrag, ÖAW, Wien (15.04.2020). https://youtu.be/ZM7COh8N14M
  • Ch. Schwall – M. Börner – D. Blattner – M. Pacher, Preliminary Results of the Austrian Archaeological Excavations at Kalba 2020, Sharjah Archaeology Authority (SAA), Sharjah, United Arab Emirates (11.02.2020).
  • Ch. Schwall – M. Brandl – M. Händel – Ch. Hauzenberger, First Results from Systematic Raw Material Studies in the Northeastern Rub al-Chali Desert: Implications for Lithic Resource Management Strategies at Kalba, Emirate of Sharjah, Sharjah Archaeology Authority (SAA), Sharjah, United Arab Emirates (11.02.2020).