Kammern-Grubgraben – Neue Feldforschungen


Durch eine Fundmeldung am 29.12.2014 wurde bekannt, dass auf der bekannten Fundstelle Kammern-Grubgraben Baggerarbeiten stattfanden. Eine erste Begehung mit dem Bundesdenkmalamt zeigte, dass ein Weingarten gerodet und mit Planierungsarbeiten begonnen worden war. In Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern (Weingut Gobelsburg) konnte ein Plan erarbeitet werden, der trotz veränderter Bewirtschaftungspläne auf eine größtmögliche Schonung des Fundplatzes Bedacht nahm. Genau über der Fundstelle wurden im Winter 2015 nun zwei Weingärten zusammengelegt. Ebenso sollte ein neuer Güterweg im Randbereich der neu entstandenen Parzelle angelegt werden. Zu Beginn des Jahres wurden hierzu von der Forschungsgruppe Quartärarchäologie (OREA, ÖAW) zwei 5 m hohe Profile angelegt und mehrere Rammkernsondagen bis in Tiefen von fast 6 m hinab getrieben. Dabei konnten weder in den Profilen noch in den Rammkernen eindeutige Kulturschichten festgestellt werden. Dennoch lag es nahe, dass sich im Bereich der neuen Güterwegtrasse noch Kulturschichtreste befanden. Das Bundesdenkmalamt entschloss sich, eine durch die Forschungsgruppe Quartärarchäologie (OREA) begleitete Baggersondage durchzuführen. Bei dem maschinellen Abhub wurden dann – wenig überraschend – zwei paläolithische Kulturschichten angeschnitten, aber nicht weiter aufgedeckt.

Im September 2015 wurde auf der Güterwegtrasse eine kleine Feststellungsgrabung mit finanzieller Unterstützung des Bundesdenkmalamtes und des Landes Niederösterreich durchgeführt. Dabei konnte innerhalb der geplanten Eingrifftiefe der Wegtrasse eine Kulturschicht mit einer Steinpflasterung und einer sehr hohen Funddichte nachgewiesen werden. Unter den Funden fanden sich nicht nur Farbstoffe, Knochenreste und Steingeräte aus qualitativ hochwertigem, importiertem Silex, sondern auch Schmuckstücke aus fossilen Meerestieren wie Muscheln (Conus) und einem Belemniten. Aufgrund der Grabungsergebnisse wird nun nach einer anderen Güterweglösung gesucht, welche die hervorragend erhaltene Kulturschicht nicht zerstört. Parallel zur Feststellungsgrabung wurde durch teilweises Ausheben der Grabungsschnitte von 1984-1995 versucht, die nicht mehr rekonstruierbare Lage der publizierten Grenzen der Altgrabung zu erfassen und im Landeskoordinatensystem zu verorten. Leider ist dies nicht gelungen, da sich die tatsächlich festgestellten Grabungsgrenzen nicht mit den publizierten decken.

In einer einmonatigen Kampagne mit Studenten der Universität Wien (Lehrgrabung am Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie) wurde im September 2016 erneut an der Fundstelle gegraben. Die Ausgrabungen wurden wieder vom Land Niederösterreich finanziell unterstützt. Dabei wurde die 2015 aufgedeckte Steinplattenlage weiter ausgegraben. Wieder zeichnete sich die Fundschicht durch eine hohe Funddichte aus. Mit der Aufdeckung eines Schnittes von 1986 wurde erneut der Versuch unternommen, die Altgrabung zu verorten. Abermals zeigte sich aber eine erhebliche Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Grabungsgrenzen und den publizierten Grabungsplänen. Eine genaue Erfassung der Altgrabung ist daher noch immer nicht gelungen. Mit einer Reihe von Rammkernsondagen wurde ein Zusammenhang zwischen der 2014 und 2015 ausgegrabenen Kulturschicht und den archäologischen Layern 2-4 der Altgrabung hergestellt. Mehrere neue 14C-Daten untermauern die bisherige Datierung des Fundplatzes in das letzte Glaziale Maximum um etwa 19 000 BP.

Die Feldforschungen an der bekannten Fundstelle sollen in den nächsten Jahren fortgeführt werden.