Rohmateriallabor


Aus der nunmehr bereits ein Jahrzehnt andauernden intensiven Arbeit der Forschungsgruppe Quartärarchäologie an lithischen Materialanalysen hat sich die Einrichtung eines eigenen Rohmateriallabors etabliert. Die enge Kooperation mit der Expertise der Universität Wien (G. Trnka) war ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Labors. Der Leiter der Einrichtung (M. Brandl) hat im letzten Jahrzehnt eine spezielle Methode für Herkunftsbestimmungen lithischer Artefakte entwickelt, die bisher im Rahmen zahlreicher internationaler Studien erfolgreich getestet wurde. Daraus ist zudem eine Referenzsammlung lithischer Rohstoffe aus verschiedenen europäischer und außer-europäischer Regionen entstanden, die eine wesentliche Grundlage für aufbauende Forschungen darstellen.

Primäres Ziel der analytischen Einheit sind Material- und Herkunftsbestimmungen von Gesteinen und anderen Materialen aus archäologischem Kontext. Das Rohmateriallabor vereint hochauflösende Mikroskopie, die es ermöglicht, große Objekte zerstörungsfrei zu untersuchen, und Petrographie mittels Polarisationsmikroskopie für Dünnschliffanalysen. Beide Systeme sind mit einem state-of-the-art Kamerasystem für standardisierte Mikrofotodokumentation gekoppelt.

Folgende Geräte sind im Rohmateriallabor verfügbar:

  • Stereomikroskop (Auflicht): Zeiss SteREO Discovery.V20.
    Vergrößerung: Stufenlos 1 – 150 X
  • Polarisationsmikroskop für Dünnschliffuntersuchungen: Zeiss Axio Scope.A1 Pol.
    Objektive (Vergrößerung): 1 X – 2.5 X – 5 X – 10 X – 20 X – 40 X
  • Mikroskopkamera: Axiocam 305 color

Derzeit werden die Ressourcen des Rohstoff-Labors auch für Drittmittel geförderte Keramik-, Leder- und Fellanalysen verschiedener laufender Projekte genutzt.

Analytik von Gesteinsrohmaterialien

Der Schwerpunkt der Gesteinsanalytik liegt auf SiO2 Rohmaterialien (Silex). Steingeräte aus Silex stellen eine der wichtigsten Fundgattungen in steinzeitlichen Fundstellen dar. Eine der wesentlichsten Fragen betrifft die Charakterisierung („Fingerprinting“) solcher Gesteinsrohstoffe, um sie von anderen, oft sehr ähnlichen Materialien eindeutig differenzieren zu können. Herkunftsbestimmungen bilden die Grundlage für die Untersuchung von prähistorischem Ressourcenmanagement, welches die Beschaffung, Verwendung und Verteilung lithischer Materialien einschließt.

Die Analytik wird im OREA-Labor anhand der mittlerweile international bekannten Methode des „Multi-Layered-Chert-Sourcing-Approach“ (MLA) durchgeführt. Dieser analytische Ansatz kombiniert makroskopische, stereomikroskopische, petrologisch/geochemische und statistische Analytik für die Herkunftsbestimmung von Silexartefakten in archäologischem Kontext.

Keramikanalysen

Das Rohmateriallabor beschäftigt sich mit der Analyse von keramischem Material und diesbezüglicher Herstellungsmethoden, wobei insbesondere der Untersuchung der Chaîne opératoire des Herstellungsprozesses großes Augenmerk geschenkt wird. Die hochqualitative Aufnahme von makroskopischen Keramikwaren und technologischen Besonderheiten, wie beispielsweise Hinweise auf den Formungsvorgang von Gefäßen an der Oberfläche und an den Bruchstellen von Keramikfragmenten, werden mithilfe stereoskopischer Analysen durchgeführt. Um die möglichst hochauflösende Aufnahme des Tonmaterials zu garantieren, werden diese Untersuchungen mit Dünnschliffanalysen kombiniert, die unter Zuhilfenahme eines polarisierenden Mikroskops durchgeführt werden. Diese Verfahren ermöglichen es, Rohmaterialien und spezifische Herstellungsmethoden, wie die spezifische Mischung verschiedener Rohmaterialien im Zuge des Herstellungsprozesses, zu identifizieren, respektive zu charakterisieren, die es wiederum ermöglichen Rückschlüsse auf potentielle Rohmateriallagerstätten, Herstellungstraditionen und die Verbreitung bestimmter Gefäße zu ziehen.

Darüber hinaus werden auch die Konditionen während des Keramikbrennvorganges, sowie die Zusammensetzung von Farben und Überzügen mithilfe eines Elektronenmikroskops untersucht. Die Analyse der chemischen Komposition von Keramikwaren wiederum, erfolgt im Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern in Österreich, Amerika, Deutschland und Griechenland unter Verwendung von Neutronenaktivierungsanalysen.

Projekte

Lithik

Paläolithikum

Charakterisierung und Rohmaterialanalysen folgender Steingeräteinventare:

  • Krems-Hundssteig (Österreich)
  • Krems-Wachtberg (Österreich)
  • Stratzing (Österreich)
  • Diverse Fundorte im Rahmen des AQS-Projekts (Austrian Quaternary Sites: Gobelsburg, Senftenberg, Spannberg)
  • Repolusthöhle (Österreich)
  • Zigeunerhöhle (Österreich)
  • Maisières-Canal (Belgien, Kooperation mit Luc Moreau, University of Cambridge)
  • Bistricioara-Lutărie (Rumänien)
     

Neolithikum

  • Erforschung des neolithischen Silexbergbaus von Rein (Österreich)
  • Wien-Mauer und weitere neolithische Radiolaritabbaue der St. Veit Klippenzone westlich von Wien (Österreich)
  • Chert source areas and provenance studies of chipped stone artifacts in southeast Crete (Greece)
  • Characterisation and provenance studies of chocolate silicites from south-central Poland
  • Characterisation and provenance studies of the chert finds from Çukuriçi Höyük (Turkey)
  • Raw material characterisation of the lithic assemblage from Bergama (Turkey)
  • Characterisation of Early Neolithic chert resources in the Pusta Reka region (Serbia)
  • Characterisation of selected lithics from Platia Magoula Zarkou (Greece)
     

Andere

  • Characterisation of chert resources in Northern Belize
  • The obsidian assemblage from Punta di Zambrone (Italy)
  • Provenance of Scandinavian Ballast flint (Denmark, Sweden, Germany)
  • International gunflint provenance studies
     

Grundlagenforschung

Leder- und Felltechnologien

Leder- und Fellanalysen im Rahmen folgender Projekte: