Rohmateriallabor


Aus der nunmehr bereits ein Jahrzehnt andauernden intensiven Arbeit der Forschungsgruppe Quartärarchäologie an lithischen Materialanalysen hat sich die Einrichtung eines eigenen Rohmateriallabors etabliert. Die enge Kooperation mit der Expertise der Universität Wien (G. Trnka) war ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung des Labors. Der Leiter der Einrichtung (M. Brandl) hat im letzten Jahrzehnt eine spezielle Methode für Herkunftsbestimmungen lithischer Artefakte entwickelt, die bisher im Rahmen zahlreicher internationaler Studien erfolgreich getestet wurde. Daraus ist zudem eine Referenzsammlung lithischer Rohstoffe aus verschiedenen europäischen und außereuropäischen Regionen entstanden, die eine wesentliche Grundlage für aufbauende Forschungen darstellen.

Primäres Ziel der analytischen Einheit sind Material- und Herkunftsbestimmungen von Gesteinen und anderen Materialien aus archäologischem Kontext. Das Rohmateriallabor vereint hochauflösende Mikroskopie, die es ermöglicht, große Objekte zerstörungsfrei zu untersuchen, und Petrographie mittels Polarisationsmikroskopie für Dünnschliffanalysen. Beide Systeme sind mit einem state-of-the-art-Kamerasystem für standardisierte Mikrofotodokumentation gekoppelt.

Derzeit werden die Ressourcen des Rohstoff-Labors auch für Drittmittel geförderte Keramikanalysen verschiedener laufender Projekte genutzt.

Analytik von Gesteinsrohmaterialien


Der Schwerpunkt der Gesteinsanalytik liegt auf SiO2 Rohmaterialien (Silex). Steingeräte aus Silex stellen eine der wichtigsten Fundgattungen in steinzeitlichen Fundstellen dar. Eine der wesentlichsten Fragen betrifft die Charakterisierung („Fingerprinting“) solcher Gesteinsrohstoffe, um sie von anderen, oft sehr ähnlichen Materialien eindeutig differenzieren zu können. Herkunftsbestimmungen bilden die Grundlage für die Untersuchung von prähistorischem Ressourcenmanagement, welches die Beschaffung, Verwendung und Verteilung lithischer Materialien einschließt.

Die Analytik wird an der ÖAW anhand der mittlerweile international bekannten Methode des „Multi-Layered-Chert-Sourcing-Approach“ (MLA) durchgeführt. Dieser analytische Ansatz kombiniert makroskopische, stereomikroskopische, petrologisch/geochemische und statistische Analytik für die Herkunftsbestimmung von Silexartefakten in archäologischem Kontext.

Schematischer Modus Operandi des Multi-Layered-Chert-Sourcing-Approach (MLA)

Projekte


Lithik

Paläolithikum

Charakterisierung und Rohmaterialanalysen folgender Steingeräteinventare:

  • Krems-Hundssteig (Österreich)
  • Krems-Wachtberg (Österreich)
  • Stratzing (Österreich)
  • Diverse Fundorte im Rahmen des AQS-Projekts (Austrian Quaternary Sites: Gobelsburg, Senftenberg, Spannberg)
  • Repolusthöhle (Österreich)
  • Zigeunerhöhle (Österreich)
  • Maisières-Canal (Belgien, Kooperation mit Luc Moreau, University of Cambridge)

Neolithikum

  • Erforschung des neolithischen Silexbergbaus von Rein (Österreich)
  • Wien-Mauer und weitere neolithische Radiolaritabbaue der St. Veit Klippenzone westlich von Wien (Österreich)
  • Chert source areas and provenance studies of chipped stone artifacts in southeast Crete (Greece)
  • Characterisation and provenance studies of chocolate silicites from south-central Poland
  • Characterisation and provenance studies of the chert finds from Çukuriçi Höyük (Turkey)
  • Raw material characterisation of the lithic assemblage from Bergama (Turkey)
  • Characterisation of Early Neolithic chert resources in the Pusta Reka region (Serbia)
  • Characterisation of selected lithics from Platia Magoula Zarkou (Greece)

Andere

  • Characterisation of chert resources in Northern Belize
  • The obsidian assemblage from Punta di Zambrone (Italy)
  • Provenance of Scandinavian Ballast flint (Denmark, Sweden, Germany)
  • International gunflint provenance studies

Grundlagenforschung