Die Konstruktion der ostalpinen Kupferhütte in der Bronzezeit


Das Hochtal der Eisenerzer Ramsau, Steiermark (© S. Klemm)

In den gesamten Ostalpen wurden in der Bronzezeit Kupfererze (Kupferkies und Fahlerze) bergmännisch abgebaut und verhüttet. Ziel des Projektes ist, das bereits von Clemens Eibner 1982 erstmals beschriebene Modell der ostalpinen bronzezeitlichen Kupferhütte anhand der vielfältigen, neuen Befunde vom Kupferschmelzplatz S1 und von anderen, mittlerweile publizierten Grabungsbefunden zu verfeinern und zu ergänzen.

Die archäologische Ausgrabung des mittelbronzezeitlichen Kupferschmelzplatzes S1 in der Eisenerzer Ramsau, Steiermark (1992–2006) deckte die größte, bisher archäologisch untersuchte Kupferverhüttungsanlage der Bronzezeit in den Ostalpen mit den charakteristischen Merkmalen der ostalpinen Kupferhütte dieser Zeitperiode auf. Insgesamt wurden sechs Doppelofenanlagen, zehn Röstbetten und drei in sich geschlossene Schlackenhalden sowie zahlreiche Gruben unterschiedlicher Form, Größe und Funktion freigelegt. Der zeitliche Rahmen der Aktivitäten auf dem Kupferschmelzplatz S1 erstreckt sich maximal auf den Zeitraum des 17.–13. Jahrhundert v. Chr.

Die Darstellung des neuen Modells basiert auf den archäologischen Befunden vom Kupferschmelzplatz S1. Diese Präsentation der Befunde und der stratigraphischen Abfolge bilden die Grundlage für die Rekonstruktion, für die metallurgischen Untersuchungen und zukünftige Experimente sowie die Diskussion einer möglichen technologischen Entwicklung. Ein besonderer Schwerpunkt des Projektes liegt auf der Erarbeitung der zeitlichen Aufeinanderfolge beziehungsweise Gleichzeitigkeit der einzelnen Objekte. Diese basiert einerseits auf den archäologischen Methoden der stratigraphischen Ausgrabung und der archäologischen Datierung mittels Kleinfunden, andererseits auf dem Vergleich dieser Ergebnisse mit den Daten verschiedener absoluter Datierungsmethoden. 

Doppelofenanlage mit den Öfen 1 und 2 im westlichen Teil der bronzezeitlichen Verhüttungsanlage (© S. Klemm)

Da die Spuren pyrotechnischer Aktivitäten auf einem Fundplatz dieser Art für die Anwendung der archäomagnetischen Datierungsmethode bestens geeignet sind, diente der Kupferschmelzplatz S1 bereits seit den ersten Jahren der Ausgrabung als Experimentierfeld für die Erprobung dieser speziellen Datierungsmethode. Die auf dem Fundplatz gesammelten und gemessenen Daten werden letztlich der Erstellung der Säkularvariationskurve für Österreich dienen und können mittels der stratigraphischen Abfolge sowie der 14C-Daten überprüft werden.

Umfassende archäometallurgische Analysen haben die detaillierte Beschreibung des metallurgischen Pozesses sowie eine mögliche technologische Entwicklung innerhalb der Mittleren Bronzezeit zum Ziel. Der Frage nach dem Brennstoff (Holz, Holzkohle, Holzarten) wurde bereits mittels anthrakologischer Analysen nachgegangen. Nun sollen diese auf Basis der stratigraphischen Abfolge im Detail ausgewertet werden. Diese Untersuchungen bilden eine wertvolle Datenbasis für die Beschreibung der lokalen Vegetationsgeschichte. Die Ernährung der Hüttenleute soll mangels pflanzlicher Funde anhand sehr kleiner Bruchstücke von Tierknochen erschlossen werden.