Kakovatos und Triphylien im 2. Jahrtausend v. Chr.


Kakovatos: Der Siedlungshügel von Norden (© Kakovatos Projekt 2010)

Kakovatos bezeichnet einen bedeutenden Siedlungsplatz der frühmykenischen Epoche Griechenlands (ca. 16. – 15. Jh. v. Chr.) an der Westküste der griechischen Halbinsel Peloponnes (Kreis Zacharo, Nomos Elis), der durch die Ausgrabung von drei Kuppelgräbern durch Wilhelm Dörpfeld (1907–1908) bekannt wurde. 

Ovalmundige Amphore aus Tholos A von Kakovatos (© Kakovatos Projekt 2015)

Die Kuppelgräber


Diese Kuppelgräber enthielten außer großformatigen „Palaststilamphoren“ der Periode SH I-IIA (ca. 15. Jh. v. Chr.), ovalmundige Amphoren, Waffen, Siegel, Schmuck aus Gold, Bernstein, Lapislazuli und blauem Glas und Möbelteile aus Elfenbein. Diese Funde veranschaulichen die überregionalen Beziehungen, welche die frühmykenischen Bewohner von Kakovatos mit anderen gleichzeitigen Siedlungen im südlich gelegenen Messenien, aber auch mit jenen der Argolis unterhielten. Aufgrund der Funde aus diesen Gräbern spielte der zugehörige Siedlungsplatz auf der sog. Akropolis, die sich südlich über den genannten Gräber erhebt, in dieser Periode wahrscheinlich eine bedeutende Rolle in der sie umgebenden Landschaft Triphylien. Die Neuaufnahme der alten Funde aus den Tholosgräbern eröffnet die seltene Chance, einen frühmykenischen Siedlungsplatz gemeinsam mit dem gleichzeitigen Ensemble zugehöriger Gräber zu erforschen. Christine de Vreé bereitet im Rahmen ihrer Dissertation eine umfassende Vorlage und Neubearbeitung der Funde vor, die sich heute im Nationalmuseum von Athen befinden. Im Vergleich mit Fundkomplexen aus zeitgleichen Gräbern des griechischen Festlands wird sie das reiche Material unter einer überregionalen Perspektive aktuell bewerten.

Sog. Spinnschüssel aus dem SH IIB Zerstörungshorizont von Kakovatos (Foto: I. Geske, © Kakovatos Projekt 2016)

Grabungen auf der Akropolis


Nach einem Survey im Jahr 2009, fanden 2010–2011 Ausgrabungen auf der Kuppe des Hügels am westlichen und nördlichen Rand des Plateaus, die mit Hilfe eines von der DFG geförderten und an der Abteilung Klassische Archäologie des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg angesiedelten Drittmittelprojektes finanziert werden konnten. Sie fanden im Rahmen einer Kooperation zwischen der 7. Ephorie für prähistorische und klassische Altertümer in Olympia unter der übergeordneten Leitung von Georgia Chatzi-Spiliopoulou, dem Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Freiburg unter der Projektleitung von Birgitta Eder sowie dem Deutschen Archäologischen Instituts und unter Beteiligung von Barbara Horejs statt. Das Ziel der Feldforschungen in Kakovatos bestand u. a. in der Dokumentation des noch erfassbaren architektonischen Bestands auf dem Hügel der sog. Akropolis und der Erschließung des chronologischen Nutzungshorizonts der Gebäudestrukturen.

Ausgrabungen auf der Akropolis von Kakovatos 2010–2011 legten die Mauerecken zweier frühmykenischer Vorratsräume frei, die bereits durch die Grabungen W. Dörpfelds seinerzeit teilweise aufgedeckt worden waren. Verbrannte Keramik und Vorratsgefäße auf den Kieselboden weisen auf eine Zerstörung durch Feuer hin, die archäologisch gegen Ende der Phase SH IIB datiert werden kann. Die 14C-Untersuchung der organischen Reste liefert wichtige absolute Daten für den Zeitraum der Brandzerstörung der beiden Räume und damit erstmals naturwissenschaftlich gewonnene Daten für die Periode SH IIB vom griechischen Festland. Aus dem Zerstörungshorizont stammt u.a. auch eine sog. Spinnschüssel, ein kalathosähnliches Gefäß mit Innenhenkel, das typologisch die besten Parallelen in Messenien hat und einen der vielen materiellen Hinweise auf die enge Vernetzung der Landschaft Triphylien mit der benachbarten Region im Süden bildet.

Bereits durch Dörpfelds Grabungen war ein aus großen Steinblöcken errichtetes Mauereck weiter westlich am Abhang des Hügels bekannt, dessen Außenschale durch bis zu über 1 m große Steinblöcke gebildet wird und durch seine „kyklopischen“ Dimensionen beeindruckt. Die Funktion dieser Mauer, die nie Teil einer umlaufenden Befestigung war, ist als Stützmauer des darüber liegenden Gebäudekomplexes zu begründen. Ihre Errichtung, die ebenfalls in die Periode SH IIB (ca. 1480–1420 v. Chr.) zu datieren ist, steht in einem logischen architektonischen Zusammenhang mit den Gebäude auf dem darüber liegenden Plateau und bildete daher wahrscheinlich den Teil einer bewussten Planung der Gesamtanlage.

Derzeit wird im Rahmen des aktuellen FWF-Projekts die Aufarbeitung der mittel- und spätbronzezeitlichen Keramik (Birgitta Eder), der ritzverzierten Keramik (Michaela Zavadil), der Funde der Textilindustrie (Georgia Chatzi-Spiliopoulou, Kostas Nikolentzos), der Steingeräte (Christos Matzanas), der Analyse der Tierknochen (Norbert Benecke / DAI Berlin), der Botanikfunde (Simone Riehl / Universität Tübingen) und die 14C-Datierung ausgewählter organischer Proben (Bernd Kromer und Ronny Friedrich / Curt-Engelhorn-Zentrum Mannheim; Felix Höflmayer, OREA) aus der Grabung Kakovatos kontinuierlich fortgesetzt.

Die Region Triphylien


Die Erforschung des Siedlungsmusters Triphyliens in seiner diachronen Entwicklung gehört zu den Aufgaben unseres Projektes. In Zusammenarbeit mit den Kollegen Kostas Nikolentzos und Panagiotis Moutzouridis vom griechischen Kulturministeriuim gilt eine weitere Perspektive den mykenischen Fundorten Epitalion, Kleidi-Samikon und Ag. Dimitrios in Triphylien, um die Funde aus Kakovatos in ihren regionalen Kontext einordnen zu können. Die Bearbeitung der mykenischen Keramik aus Epitalion im Vergleich mit Kakovatos und Kleidi-Samikon hat Jasmin Huber übernommen, und als eines ihrer ersten Ergebnisse konnte sie die unterschiedliche Laufzeit einer mykenischen Siedlung im Norden Triphyliens im Vergleich mit Kakovatos feststellen: Die Keramik des mykenischen Siedlungsplatzes beim heutigen Ort Epitalion reicht ähnlich wie in Kleidi-Samikon von der ausgehenden Mittelbronzezeit bis in die mykenische Palastzeit.

Ein umfassendes archäometrisches Analyseprogramm der Keramik aus den vier verschiedenen bronzezeitlichen Fundorten Triphyliens findet in Kooperation mit Evangelia Kiriatzi vom Fitch Laboratory der Britischen Schule von Athen (Petrographie) und Hans Mommsen vom Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik in Bonn (Neutronenaktivierungsanalyse) statt. Ziel der kombinierten archäometrischen und archäologischen Untersuchungen, die von Georgia Kordatzaki und Jasmin Huber durchgeführt werden, ist es, ein grundlegendes Bild von der lokalen und regionalen Produktion der Keramik und der Zirkulation von Importen (z.B. aus Kreta, Kythera und der Dodekanes) innerhalb einer Mikroregion der westlichen Peloponnes zu gewinnen.

Der Paläoumwelt gilt die Kooperation mit dem Mainzer Geoarchäologen Andreas Vött und seinem Team. Ziel der systematischen Erkundung der Umgebung von Kakovatos und Kleidi mithilfe von Bohrungen bildet die Rekonstruktion des Küstenverlaufs und Erschließung potentieller Schiffslandeplätze. [siehe auch Kleidi-Samikon – Landschaftsarchäologische Untersuchungen]

Der bronzezeitliche Siedlungshügel von Kleidi liegt unterhalb der klassisch-hellenistischen Festung von Samikon an der Küste Triphyliens (© B. Eder 2006)

Tagung zum frühmykenischen Griechenland


Um die Arbeiten und Ergebnisse der Forschungen in Kakovatos und seiner Umgebung im Kontext überregionaler Entwicklungen studieren können, organisierten Birgitta Eder und Michaela Zavadil im Oktober 2016 im Rahmen des Projekts eine Tagung zum Thema „(Social) Place and Space in Early Mycenaean Greece“, die am Österreichischen Archäologischen Institut in Athen stattfand.

Programm und weitere Informationen

Bibliographie

Bibliographie

Kakovatos, Alte Grabung

  • W. Dörpfeld, Tiryns, Olympia, Pylos, Athenische Mitteilungen 32, 1907, VI–XVI.
  • W. Dörpfeld, Alt-Pylos I: Die Kuppelgräber von Kakovatos, Athenische Mitteilungen 33, 1908, 295–317.
  • K. Müller, Alt-Pylos II: Die Funde aus den Kuppelgräbern von Kakovatos, Athenische Mitteilungen 34, 1909, 269–328.
  • W. Dörpfeld, Alt Pylos III. Die Lage der homerischen Burg Pylos, Athenische Mitteilungen 38, 1918, 47–139.

Diskussion des Siedlungsplatzes Kakovatos

  • M. J. Boyd, Middle Helladic and Early Mycenaean Mortuary Practices in the Southern and Western Peloponnese, BAR International Series 1009, Oxford 2002, 189–190.
  • B. Eder, Zur historischen Geographie Triphyliens in mykenischer Zeit. In: F. Blakolmer, G. Nightingale, C. Reinholdt, J. Weilhartner (Hrsg.), Österreichische Forschungen zur Ägäischen Bronzezeit 2009. Tagung vom 6. bis 7. März 2009 am Fachbereich Altertumswissenschaften der Universität Salzburg, Wien 2011, 105–117.
  • K. Kilian, Zur Funktion der mykenischen Residenzen auf dem griechischen Festland. In: R. Hägg, N. Marinatos (Hrsg.), The Function of the Minoan Palaces. Proceedings of the Fourth International Symposium at the Swedish Institute in Athens, 10–16 June, 1984, Skrifter utgivna av svenska institutet i Athen, 4°, 35, Stockholm 1987, 33 mit Abb. 9.
  • K. Kilian, L’architecture des residences mycéniennes: origine et extension d’une structure du pouvoir politique pendant l’âge du Bronze Récent. In: E. Lévy (Hrsg.), Le système palatial en Orient, en Grèce et à Rome. Actes du Colloque de Strasbourg, 19–22 juin 1985, Université des sciences humaines de Strasbourg, Travaux du centre de recherche sur la Proche-Orient et la Grèce antiques, 9, Strasbourg 1987, 212 mit Abb. 8.
  • J. Rambach, Die Funde der Ausgrabung in Kavkania. In:  X. Arapojanni, J. Rambach,  L. Godart (Hrsg.), Kavkania: Ergebnisse der Ausgrabung von 1994 auf dem Hügel von Agrilitses, Mainz 2002, 164–166.

Vorberichte der Kampagnen 2009–2011 in Kakovatos

Kleidi-Samikon

  • X. Arapojanni, J. Rambach, L. Godart, Kavkania: Die Ergebnisse der Ausgrabung von 1994 auf dem Hügel von Agrilitses, Mainz 2002, 159–163.
  • W. Dörpfeld, Die homerische Stadt Arene, Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung 33, 1908, 320–322.
  • K. Nikolentzos, Μυκηναϊκή Ηλεία: Πολιτιστική και Πολιτική Εξέλιξη, Εθνολογικά Δεδομένα και Προβλήματα. Athen 2011, 53–60.
  • E. Papakonstantinou, Κάτω Σαμικό, Αρχαιολογικόν Δελτίον B 36, 1981, 148–149.
  • E. Papakonstantinou, Κάτω Σαμικό, Αρχαιολογικόν Δελτίον B 37, 1982, 133–135.
  • E. Papakonstantinou, Κάτω Σαμικό, Αρχαιολογικόν Δελτίον B 38, 1983, 108–110.
  • N. Yalouris, Mυκηναϊκoς τύμβoς Σαμικoύ, Αρχαιολογικόν Δελτίον A 20/1, 1965, 6–40, 185–186.

Epitalion-Ayioryitika

  • P. G. Themelis, Thryon – Epitalion, Αρχαιολογικά Ανάλεκτα εξ Αθηνών /1, 1968, 201–204.
  • J. Huber, Epitalion an der Mündung des Alpheios: die mykenische Keramik. Unveröffentlichte M.A. Arbeit, Universität Freiburg 2013.

Agios Dimitrios

  • C. L. Zachos, Ευκτιτον Αιπυ, Annual of the British School at Athens 79, 1984, 325–329.