Mittelhelladische und mykenische Keramik aus Tiryns


© M. Zavadil

In den Jahren 1997 und 1998 wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Joseph Maran (Universität Heidelberg) im Zuge von Konservierungsmaßnahmen Grabungen im Bereich des Großen und Kleinen Megarons in der Oberburg von Tiryns durchgeführt. Seit den Grabungen unter der Leitung von Heinrich Schliemann und Wilhelm Dörpfeld in den Jahren 1884/85 ist das Interesse an der Baugeschichte der Oberburg und im Besonderen an jener der beiden Megara nicht erloschen: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden u. a. von Wilhelm Dörpfeld, Georg Karo und Kurt Müller die Arbeiten fortgesetzt, und von diesen Grabungen unberührte Areale hat man 1984 und 1985 unter der Leitung von Klaus Kilian erforscht. Trotz dieser intensiven Grabungstätigkeit sind genaue Baugeschichte und Datierung der einzelnen Bauten noch nicht geklärt. Von Wichtigkeit sind die Befunde der Oberburg von Tiryns, da Klaus Kilian in kurzen Vorberichten die Meinung äußerte, hier einen der ältesten mykenischen Paläste nachweisen zu können; eine Vermutung, die in der Forschung nicht unwidersprochen blieb. Die bei den Grabungen von 1984 und 1985 gefundene mykenische Keramik wurde zwar von Hendrikje Stülpnagel im Rahmen ihrer Dissertation vorgelegt, die dazugehörenden Baubefunde sind jedoch, bedingt durch den frühen Tod von Klaus Kilian, noch immer nicht publiziert. Im Anschluss an die Grabungen der Jahre 1997/98 unter der Leitung von Joseph Maran ist es nun möglich, Grabungsbefunde und Keramik parallel zu bearbeiten und dadurch nicht nur neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der Oberburg von Tiryns, sondern auch zur frühesten Palastzeit der mykenischen Kultur zu gewinnen.