Mittwoch, 07. November 2018, 17:30 - 18:30

Das Ahrensburger Tunneltal – eine spätglaziale Fundlandschaft im Wandel der Forschung

Mara-Julia Weber (Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie, Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf)

Das Ahrensburger Tunneltal bei Hamburg ist eine der wichtigsten Fundlandschaften der ausgehenden Altsteinzeit in der nordeuropäischen Tiefebene. Hier gelang dem Amateurarchäologen Alfred Rust bereits Anfang der 1930er Jahre der Nachweis, dass auch Norddeutschland vom eiszeitlichen Menschen aufgesucht worden war. Er konnte mit seinen Ausgrabungen nicht nur das zeitliche Verhältnis der sogenannten Hamburger und Ahrensburger Kultur klären, sondern auch den weltweit ältesten Beleg für die Nutzung von Pfeil und Bogen erbringen. Insbesondere die Fülle an Knochen und Geweihen vom Rentier unter seinen Grabungsfunden führte zur Etablierung des Bilds der „Rentierjäger“, das bis heute besteht.

Seit den 1970er Jahren wurde vor allem die Jagdfauna einer Revision und genaueren Betrachtung unterzogen. Technologische Analysen der Steinartefakte bilden aktuell einen Schwerpunkt der Forschungen, die das Schleswiger Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie gemeinsam mit dem Sonderforschungsbereich 1266 „TransformationsDimensionen“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel durchführt. Um die urgeschichtliche Nutzung der Paläolandschaft im Ahrensburger Tunneltal umfassender verstehen zu können, werden nun auch organische Artefakte in die technologische Betrachtung einbezogen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen erweitern und verfeinern zudem die Kenntnisse über das spätglaziale Klima und seine Auswirkungen auf die Umwelt und damit die menschliche Subsistenz in der Region.