Donnerstag, 23. Mai 2019, 17:30

Der Mitterberg und die alpinen Kupfererzreviere

Technische Innovationen und Verwobenheit in alpinen Ressourcenräumen der Bronzezeit

Thomas Stöllner (Ruhr-Universität Bochum, Deutsches Bergbau-Museum)

Die östlichen und südlichen Alpen werden in diesem Vortrag als kulturell eng zusammenwirkende Ressourcenräume betrachtet. In dieser großen Region führte seit der mittleren Bronzezeit der beständige Fluss von Ideen und Menschen zu einer Ausbreitung und einer Verbreitung von technischem Wissen in verschiedene Lagerstättenzonen. Innerhalb dieser Kupfer produzierenden Gemeinschaften nimmt die Bergbaulandschaft um Mühlbach-Bischofshofen, das Mitterberg-Gebiet, eine besondere Stellung ein: Es ist die bei weitesten größte und älteste Fundlandschaft, in der ein technisches Produktionsprinzip für Kupfer erkennbar wird, das dann in Folge in vielen alpinen Landschaften adaptiert und weiterentwickelt wurde. Diese Situation ist in einer außergewöhnlichen Kupferlagerstätte begründet, welche massive technische und logistische Investitionen erforderte. Das in diesem Areal produzierte Kupfer scheint die Kupferversorgung von Mittel-, Nord und Ostmitteleuropa vor allem in der mittleren und beginnenden Spätbronzezeit dominiert zu haben. Es wurde auch zum Vorbild für viele andere kupferproduzierende Gemeinschaften. Die technischen und ökonomischen Strategien ermöglichten zunächst die Besiedlung und Aneignung der alpinen Talschaften, ermöglichten aber auch eine kontinuierliche ökonomische Stabilität und letztlich auch ein Überleben innerhalb der Alpinen Landschaften. Es wird gezeigt, dass die Verwobenheit von Prozessen und Gemeinschaften zu ähnlichen kulturellen Erfahrungswelten führten, welche verschiedenen Siedlern den nötigen Austausch und die Anpassung bzw. Übertragung technischer Konzepte ermöglichte. Doch nicht immer verlief der Prozess Hand in Hand mit einer engeren Adaption von kulturellem Verhalten, weil die wachsenden Bevölkerungen, der größere Bedarf an Kupfer wie auch die schwierigen Verkehrsbedingungen zu unterschiedlichen kulturellen Einheiten in verschiedenen Regionen der Alpen führten, vor allem seit der Spätbronzezeit.

The Eastern and Southern Alpine mining regions are considered as a culturally tightly connected resources-scape. It was a large region in which a constant flow of ideas and humans lead to the expansion and distribution of the technical knowledge of copper production since the Middle Bronze Age to many ore-deposit-regions. Within these copper producing communities the mining landscape around Mühlbach-Bischofshofen hold a very special place: It is the by far largest and the oldest site where a technical concept of copper-production becomes visible that later was adopted at other regions. This situation is reasoned in an outstanding copper ore deposit that required massive technical and logistical investments. The copper produced at this site seems to have dominated the Central-, Eastern and Northern European markets and its technology became an archetype for other areas. These technical and economic strategies allowed the colonization of Alpine valleys first but also enabled continuous economic stability and at least a survival within Alpine landscapes. It is shown that the enmeshment of processes and communities led to similar worlds of experiences that allowed different dwellers a necessary exchange and adoption of technical concepts. But not always this went hand in hand with a tighter adoption of cultural habits since the growing of population, the larger demand in copper as well as the different traffic conditions led to different cultural compounds in various regions since the Late Bronze Age.