Mittwoch, 15. April 2020, 17:30 - 18:00

E-Lecture: Kalba – Ein frühbronzezeitlicher Handelsstützpunkt am Golf von Oman?

Ergebnisse der Feldforschungen 2020

Christoph Schwall (OREA)

Erstmals können im 3. Jahrtausend v. Chr., während der Frühbronzezeit, ausgedehnte Handelsnetzwerke belegt werden, die von der Ägäis bis zur Indusregion reichen. Insbesondere die Arabische Halbinsel bietet aufgrund ihrer geostrategischen Lage optimale Bedingungen für Knotenpunkte dieser frühen Netzwerke und fungierte wahrscheinlich als Vermittler zwischen West und Ost.

Die Feldforschungen in Kalba am Golf von Oman (VAE, Emirat Schardscha) belegen eine regelmäßige Besiedlung des Fundortes von der frühen Bronzezeit bis zur Eisenzeit (ca. 2500–600 v. Chr.). Daher eignet sich besonders Kalba zur Erforschung und Bewertung von frühen Handelsnetzwerken auf der südöstlichen Arabischen Halbinsel.

Die Ausgrabungen der frühbronzezeitlichen Besiedlung haben eine monumentale Turmkonstruktion freigelegt, die sicherlich als Landmarke an der Küste von weit her zu sehen war. Abgesehen von der Architektur legt auch importierte Keramik aus Mesopotamien, dem Iran und dem Indusgebiet eine überregionale Bedeutung der Siedlung nahe. Zudem lassen Rohstoffe wie Kupfer und Silex vermuten, dass Kalba ein Handelsstützpunkt war, der als Bindeglied der Netzwerke zwischen Routen über See und ins Landesinnere der Arabischen Halbinsel gedient hat.