Mittwoch, 04. März 2020, 17:30

Purpurfarbstoff- und Byssus-Produktion in der spätbronzezeitlichen Siedlung von Ägina Kolonna, Griechenland

Lydia Berger (Universität Salzburg), Gerhard Forstenpointner (Verteriänärmedizinische Universität Wien), Fabian Kanz (Medizinische Universität Wien)

In der mittleren und späten Bronzezeit erfuhr die prosperierende Siedlung am Kap Kolonna an der Nordwestküste Äginas umfangreiche bauliche Erweiterungen. In der östlichen Siedlungsperipherie bilden bogenförmig angeordnete Kammern und mehrräumige Gebäudekomplexe die sogenannte Äußere Vorstadt. In K10, einer der wenigen der modernen Forschung noch zur Verfügung stehenden Areale innerhalb der Vorstädte, konnte in den letzten Jahren unter anderem ein bis zu 80cm dickes Paket aus zeitlich aufeinander folgende Zerstörungsschichten von zumindest zwei SHIIA Gebäuden detailliert untersucht werden. In der untersten Schicht fanden sich verschiedene Hinweise auf die Produktion von Purpurfarbstoff: An der Innenseite mehrerer Gefäßfragmente erhielten sich Farbreste, deren chemische Analyse auf das Drüsenpigment von Purpurschnecken schließen lassen. Auch die archäozoologischen Untersuchungen des Fundmaterials aus K10 zeigen neben einer großen Anzahl an Säugetierknochen eine Vielzahl an Mollusken. Dominiert wird der Befund von stark fragmentierten Gehäusen von Hexaplex trunculus,  der Stumpfen Stachelschnecke, sowie einer auffälligen Menge an Schalenfragmenten von Pinna nobilis, der Edlen Steckmuschel, die nicht nur essbar ist, sondern auch zur Gewinnung von Byssusfasern verwendet werden kann.