Mittwoch, 11. April 2018, 17:30

Soziale Diversität, Soziale Identität

Forcing factors für die Dynamiken der frühen neolithischen Gesellschaften in Mitteleuropa?

Detlef Gronenborn (Römisch-Germanisches Zentralmuseum; Johannes-Gutenberg-Universität Mainz)

Untersuchungen zu Zeitreihen von Mikrostilen an frühneolithischer Keramik im westlichen Mitteleuropa legen nahe, dass diese soziale Informationen tragen. Veränderungen in der Diversität oder Ausprägungsvielfältigkeit können daher als Veränderungen sozialer Diversität interpretiert werden. Bestimmte Elemente dieser Mikrostile können gar als Signal für soziale Identität im Sinne einer Gruppenzugehörigkeit interpretiert werden.

Mithilfe einer Feinchronologie lassen sich somit Zeitreihen von Signalen für die Veränderung sozialer Diversität und gelegentlich auch Identität erstellen. Erste Untersuchungen zeigen, dass diese Veränderungen in den sozialen Strukturen unabhängig von Populationsdynamiken sind, diese möglicherweise in ihrem Verlauf beeinflussen. Es ist daher zu diskutieren, ob hinter den anhand verschiedener Proxydaten zu beobachtenden Dynamiken in den frühen bäuerlichen Gesellschaften im westlichen Mitteleuropa Veränderungen in der sozialen Diversität – oder eben bei guter Auflösung auch Identität – als forcing factor stehen.