Mittwoch, 10. Oktober 2018, 17:30 - 18:30

Textilforschung rund um die Salzmänner von Chehrabad im Iran

Originale Gewänder und Stoffreste aus der Achämeniden- und Sassanidenzeit

Karina Grömer (Naturhistorisches Museum Wien)

Obwohl es eine Fülle von bildlichen und schriftlichen Quellen gibt, sind originale Textilfunde in Mesopotamien und im antiken Iran sehr selten. Funde aus dem Salzbergwerk bei Chehrābād im Nordwesten des heutigen Iran können spannende neue Erkenntnisse für das Studium von Textilien und Kleidungsstücken aus der Achämeniden- und Sassanidezeit (c. 600 v. Chr.–600 n. Chr.) liefern. Im Jahr 1994 wurde bei Baggerungsarbeiten zufällig eine Salzmumie aus der Sassanidenzeit gefunden, später fanden archäologische Ausgrabungen durch das Zentrum für Kulturerbe Zanjan statt – nun sind sie Gegenstand verschiedener internationaler Forschungsprojekte unter der Federführung des Bergbaumuseums Bochum.

Insgesamt wurden gut erhaltene Überreste von mindestens sechs Salzmumien, Opfer von Katastrophenunfällen im Bergbau, sowie Kleidung, Werkzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände entdeckt. Die technischen Details vor allem der erhaltenen Gewänder, wie sie gewebt und zugeschnitten wurden, erlauben uns neue Einblicke in die Textiltechnologie des alten Persiens.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, wie die Darstellungen von Kleidungsstücken, die aus dem alten Persien bekannt sind, mit den tatsächlichen Funden der Kleidung der Salzmänner verglichen werden können, auch, wie die Funktionalität der Kleidungsstücke war. Neueste Analysen haben ergeben, dass die Kleidungsstücke der Salzmänner perfekt auf die Bedürfnisse der Salzbergarbeiter abgestimmt sind – sowohl zur Unterstützung der Beweglichkeit als auch zum Schutz während der Arbeit im Bergwerk. Auch können einige symbolische Merkmale beobachtet werden, wie die Verwendung von roten Schnüren für die Ärmel, Öffnungen und Seitennähte.