Montag, 25. Juni 2018, 18:00

Wissen schaffen oder Wissenschaft?

Altägyptische Forschung im Spiegel der Ägyptologie

Nicolas Flessa (Berlin)

Im Zentrum dieser wissenschaftshistorischen Betrachtung steht das kontinuierliche Unterfangen der Ägypter, belastbares Wissen über die Welt, ihren Aufbau und die Natur des Menschen zu gewinnen. Im Gegensatz zu ihren Erkenntnissen in den Bereichen Architektur und Kunst, die noch heute anhand der sichtbaren Ergebnisse bestaunt werden, gelten ihre humanwissenschaftlichen Theorien als irrationale Zeugnisse einer protowissenschaftlichen Weltsicht. Die Ägyptologie als historische Kulturwissenschaft und geistiges Kind des 19. Jahrhunderts hat diese Perspektive nicht nur hervorgebracht, sondern in gewisser Hinsicht bis in die Gegenwart hinein befördert. Differenziertere Betrachtungen wie die der Wiener Schule der Ägyptologie unter Wilhelm Czermak und Gertrud Thausing blieben die Ausnahme. Dieser Vortrag geht dem andauernden Spannungsverhältnis zwischen ägyptischer Forschung und jener Wissenschaft nach, die sich rund 1500 Jahre später zum Ziel gesetzt hat, neues Wissen über die alten Ägypter zu produzieren.