Mittwoch, 18. April 2018, 17:30

Zwischen Uniformität und Individualität

Vielfalt und Norm im frühbronzezeitlichen Bestattungswesen Süddeutschlands

Ken Massy (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Die Frühbronzezeit (ca. 2150–1650/1600 v. Chr.) stellt den Beginn eines neuen Zeitalters in Europa dar und ist nicht zuletzt durch zahlreiche in Mitteldeutschland angesiedelte Projekte eine mittlerweile sehr gut erforschte Epoche der mitteleuropäischen Vorgeschichte. In Südbayern jedoch, dem Kerngebiet der „Straubinger Gruppe“, fehlte bislang eine umfassende Neuaufnahme der frühbronzezeitlichen Gräber, sodass der Forschungsstand bei weitem nicht auf dem neuesten Stand war. Nach knapp 40 Jahren seit der letzten Gesamtaufnahme frühbronzezeitlicher Gräber in Südbayern hat sich der Quellenbestand mehr als verdreifacht. Die neuen Gräber wurden unter modernen wissenschaftlichen Standards im Rahmen meiner Dissertation untersucht und sollen im Vortrag zusammenfassend betrachtet werden. Die Analyse der Gräber führt dabei zum besseren Verständnis kultureller und zeitlicher Abläufe und schafft neue Einblicke in die Totenbehandlung und Bestattungspraktiken. Eine der bislang größten Serien an 14C-Daten hat zu einer teilweisen Revidierung des bestehenden relativchronologischen Systems geführt. Diese hat weitreichende Folgen für das Verständnis zeitlich bedingter kultureller Abläufe. Aufgrund der Vielzahl modern gegrabener Bestattungsplätze können nun auch zeittypische Phänomene wie beispielsweise Grabmanipulationen und Beigabensitten neu evaluiert und vor dem Hintergrund des aktuellen Forschungsstandes analysiert werden. Zudem konnte das direkte Umland in die Untersuchungen mit einfließen, sodass die Gräberfelder und die dort bestatteten Individuen in einen größeren Kontext gestellt werden konnten.